Parchau (mey). Viele Frauen haben Angst vor der „bösen 30“. Berta Jakob aus Parchau legte da noch 70 Lebensjahre drauf – am Freitag, 1. Juni 2018 feierte sie ihren 100. Geburtstag.

Da hatte das ehrenwerte Geburtstagskind viel zu tun, als die Gäste sie so zahlreich besuchten. Kein Wunder, denn Berta Jakob hat in 100 Lebensjahren jede Menge erlebt, viele Leute kennengelernt und eine große Familie aufgebaut. Sieben Enkel, elf Urenkel, sechs Ururenkel „und bis vor kurzem hatte sie auch noch alle Geburtstage im Kopf“, beschreibt der Sohn der ältesten Parchauerin.
Geboren wurde Berta Jakob 1918 in Löderburg. Als älteste unter den sechs Geschwistern wurde Berta damals von ihrer Mutter voll und ganz in Beschlag genommen. Sich um die Jüngeren zu kümmern, das sollte ihre Aufgabe sein.
Doch schon in jungen Jahren wollte sie sich keine Fesseln anlegen lassen. „Was willst du tun, nach der Schulzeit?“, hatte der Löderburger Pfarrer Heinz Thieme immer gefragt. Ihre Mutter meinte die Antwort zu kennen, doch Berta setzte sich durch. Bei besagtem Pfarrer und dessen Familie fing sie als Hausmädchen an. Den Kontakt zur Mutter und den Geschwistern pflegte sie weiter. Als von Heinz Thieme verlangt wurde, NS-Propaganda von der Kanzel zu predigen, bewarb sich der Pfarrer um die freiwerdende Stelle im Pfarrgebiet Parchau. Mit samt der Familie folgte ihm auch Berta. Als junge Frau lernte sie hier bald einen Maurer kennen und lieben. 1939 wurde geheiratet, 1940 wurde ihr erstes Kind geboren, 1942 das zweite. Doch der geliebte Gatte wurde eingezogen. 1943 bei Stalingrad fiel der Parchauer. Seine Berta wurde zur Witwe und wollte bis heute keinen anderen mehr haben. Aber auch als alleinerziehende Mutter machte Berta Jakob aus ihrem Leben das Beste. Als Helferin in einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeitete sie sich hoch. In der LPG leitete sie schließlich bis zur Wende bis zu 32 Frauen in der Pflanzenproduktion an. 20 Jahre lang bestimmte sie im Vorstand mit, wurde nach Leningrad und Moskau eingeladen, traf Prominenz wie Walter Ulbricht und Hermann Matern und wenn es auf dem Feld nichts mehr zu tun gab, half sie in einer Gaststätte aus. Kein Wunder also, dass sich bei einem so regen Leben ein großer Bekannten- und Freundeskreis aufbauen lässt.
Bürgermeister Jörg Rehbaum und Landrat Dr. Steffen Burchhardt ließen es sich nicht nehmen, der 100-Jährigen persönlich zu gratulieren und in der teils sogar singenden und schunkelnden Feiergemeinde Platz zu nehmen. „37 war ich auch mal“, sagte das Geburtstagskind dem Landrat, der nur einen Tag zuvor Geburtstag hatte. Dieser wünschte sich angesichts der Parchauerin nur, selbst irgendwann mal so gesund ein solch hohes Alter zu erreichen. „Der Arzt hat alles gecheckt und sagte mir, in mir ist durchweg einfach alles in Ordnung“, berichtete Berta Jakob ihrem Gast stolz.