Hier schreibt abel
Was ist passiert? Da haben die Jungs und Mädels von der FDP etwas getan, was in der deutschen Nachkriegsgeschichte einzigartig ist: Auf Ministerposten und Pfründe verzichtet, weil sie in ihren Überzeugungen nicht weiter zurückweichen konnten, um am Ende das Ticket nach Kompromiss-Jamaika zu lösen. Das ist eine völlig legitime Entscheidung, nach der Feststellung, dass trotz 50 Tagen Gefeilsche und Gezerre keine befriedigende Einigung möglich ist. Die Reaktionen danach waren vorhersehbar. Schuld ist die FDP. Die Anfeindungen von allen Seiten sind groß. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass beim Zustandekommen der Koalition aber in der Regierungsarbeit die Reibereien kein Ende gefunden hätten. Dies hätte aber der vielbeschworenen Stabilität der Regierung dauerhaft geschadet. Somit hat Lindners Bereitschaft, die Unvereinbarkeit von Positionen anzuerkennen, ein andauerndes Gewürge bei der deutschen Regierungsarbeit verhindert. Wenn also Stabilität einer Regierung das Ziel sein soll, hat die FDP alles richtig gemacht. Prügelknabe nach dem Scheitern ist auch Martin Schulz. Er soll jetzt durch eine 180-Grad-Wende „staatspolitische Verantwortung“ übernehmen. Die Rückwärtsrolle würde aber ohne anschließenden Streit beim Regieren den Verlust des letzten sozialdemokratischen Profils bedeuten. Fazit: In Wahrheit sollen sich alle anderen bewegen, damit Angie noch eine Amtszeit bekommt.