Hier schreibt mey:


Eine ganze Generation junger Menschen kann es sich kaum vorstellen: eine Mauer, Stacheldraht und Scharfschützen. Mehr als 28 Jahre lang zog sich ein solcher Wall durch Deutschland, etwa ebenso lang genießen Bundesbürgerinnen und -bürger bis heute eine schier grenzenlose Freiheit. Ein Hohn ist es jenen gegenüber, die bei dem Versuch, die innerdeutsche Grenze zu überwinden, ihr Leben ließen, und jenen gegenüber, die sich für Einigkeit und Recht und Freiheit einsetzten und gegen das Regime kämpften, wenn sich heute Stimmen erheben, die geschlossene Grenzen fordern. Geschlossene Deutsche Grenzen. Was das für den Rest der Welt bedeutete, wollen viele der Meckernden nicht sehen. Ein klares Bild über die Auswirkungen liefert großzügigerweise der US-Amerikanische Präsident. Schreiende, weinende, leidende Kinder, von ihren Eltern getrennt, weit weg von Zuhause. Donald redet sich heraus – selbst Schuld seien schließlich die Eltern, die ihren eigenen Kindern solche Strapazen aufbürden – und dennoch muss selbst er zumindest einen kleinen Schritt zurückgehen, um die Empörung von Volk und Partei, gar die seiner Frau und der eigenen Tochter zu dämpfen. Die Schreie von Krieg und Terror schallen nicht bis ins Jerichower Land. Wer deutsche Grenzen erreicht, hat seine Stimme ausgeschrien und alle Tränen verbraucht. Nur steinerne Herzen können fordern, die Geflüchteten gegen kalte Mauern laufen zu lassen.