Hier schreibt mey:


„Denk ich an Deutschland in der Nacht…“: Ein gern und häufig genutztes Zitat, das mit seiner schlichten Eleganz überzeugt und in vielen Bereichen als passend erscheint – seien es „besorgte Bürgerinnen und Bürger“, denen angesichts einströmender Flüchtlingsfluten Tränen in die Augen schießen, oder „Gutmenschen“, denen bei der Furcht vor wiederkehrendem Übel anno 1933 ein salziger Strom über die Wangen rinnt. Über die rappelvollen Datenautobahnen rauschen wutgeladene Kommentare mit einem Rattenschwanz namens „Meinungsfreiheit“ hintendran. Seriöse Berichterstattung gibt es in den Augen Unzufriedener ohnehin nicht mehr – ob auf den großen Nachrichtensendern oder in der lokalen Wochenzeitung. Digitale Medien und undurchsichtige Internetportale sind sowieso viel schneller und vor allem von überall einzusehen. Auf der Reise nach Chemnitz noch schnell die neusten Infos gegoogelt und die aktuellen Parolen einstudiert. „Das wird man ja noch sagen dürfen“-T-Shirts beim Anbieter für Demonstrations-Accessoires des Vertrauens bestellt und auf ins Getümmel, nur fünf Reihen hinter den rechtsorientierten Mitbürgern. „Ich kann nicht mehr die Augen schließen, Und meine heißen Tränen fließen“, wie melodisch es doch klingt! Verleiht jedem Mob einen Hauch Eleganz. Schade nur, dass die übrigen Worte des Dichters, der um seine Mutter trauert (nicht ums Vaterland) immer gern vergessen werden…