Hier schreibt abel
Mitte Juli sagte der türkische Parlamentspräsident Ismail Kahraman: „Denjenigen, die unsere Werte angreifen, brechen wir die Hände, schneiden ihnen die Zunge ab und vernichten ihr Leben“. Die Liste der fraglichen Werte lieferte er gleich mit: Volk, Fahne, Koran, Glaube, Gebetsruf, Freiheit und Unabhängigkeit. Diese Aussagen zeigen überdeutlich, dass unsere türkischen Miteuropäer geradewegs auf einen nicht säkularen, repressiven und Erdogan-zentrierten Staat zusteuern. Die genannten Werte und natürlich auch die angekündigte Art ihrer Durchsetzung befinden sich nun aber gerade nicht im Wertekanon der Europäischen Union, der die Türkei nach eigenem Bekunden doch so gerne angehören möchte. Europa hat schon lange Jahre Erfahrung mit Sonderwegen und Extrawürsten, die im Sinne des Europagedankens für unsere britischen Freunde gegangen und gebraten wurden. Und am Ende half aller guter Wille nicht, weil die Engländer sich trotzdem andauernd bevormundet fühlten und nur noch weg wollten. Es wäre schon sehr eigenartig, einerseits den Briten gegenüber knallhart zu bleiben und andererseits dem Kalifen vom Bosporus Honig um den Bart zu schmieren und ihn immer wieder mit neuen Schweinereien durchkommen zu lassen. Die Frage für mich ist, wer von den beiden aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten beherrscht es besser, hier die richtigen Töne zu treffen und das richtige Vorgehen zu wählen?