Hier schreibt mey:


Er lässt Menschen Ü40 zurückdenken und jüngere nachfragen, der Tag der Deutschen Einheit. Eine ganze Generation ist ohne Mauer erwachsen geworden. Die Regale sind voll, die Grenzen offen und die Witschaft (so heißt es) „boomt“ – was immer das auch bedeuten mag. Die jungen Arbeitnehmer von heute lernten in der Schule von ihren in der DDR aufgewachsenen Lehrern, was Sozialismus bedeutete. Ihnen wurde aus erster Hand erzählt, wie das so war, ganz „ohne Bananen und so“. Aber irgendwie blieb selbst in diesen Geschichten schon viel auf der Strecke. Es gab eine Nachkriegszeit, in der junge Erwachsene Fragen stellten. „Wie konnte sowas passieren?“ „Es kann doch nicht sein, dass niemand was mitbekommen hat!“ „Warst du auch daran beteiligt?“
Die Generation nach der DDR scheint da weniger neugierig zu sein. Werden DDR-Verbrechen aufgedeckt, dann zumeist von Fernsehsendern, eben irgendwie ungreifbar, und während eine ganze Generation der nach 1990 Geborenen stirnrunzelnd auf den Bildschirm blickt, schütteln viele der Älteren den Kopf und verteidigen sich und ihre „frühere“ Heimat: „Im Westen haben die auch Mist gebaut. Aber das will wieder keiner hören. Immer drauf auf die Ossis! Als hätte es sowas nur hier gegeben.“ Tja, sowohl das „früher ging es uns besser“ als auch die gegenteilige Aussage – beide sind zweifelsohne zu flach formuliert. Aber wer die Wahrheit wissen will, muss letztenendes selbst nachfragen.