Hier schreibt mey


Ludwig von Beethoven, Marlene Dietrich und Albert Einstein – allesamt Namen historisch deutscher Persönlichkeiten, die die Deutsche Bahn in eine Reihe bringen möchte. Laut einem Jurymitglied haben all diese Personen eine Gemeinsamkeit, die sie eint, nämlich die Neugierde auf die Welt. Ebensolche Neugierde werden sicher auch die Leserinnen und Leser des Tagebuches der Anne Frank bei der Schreiberin erkennen können, doch reiht sich diese deswegen ebenfalls in die Aufzählung derer, die zur Namensgebung neuer ICE der Bahn herhalten sollen?
Eine hitzige Debatte ist entbrannt, ein regelrechter „Shitstorm“ auf die Deutsche Bahn ausgebrochen. Viele Stimmen wurden laut, die der Bahn vorwerfen, eines der berühmtesten Opfer der Nazi-Zeit zu kommerziellen Werbezwecken auszunutzen, gar den Massenmord an diesen zu verharmlosen. Wie weit darf man gehen? Was zählt noch als Denkmal, was bereits als Profitstrategie? Die Namensvorschläge selbst stammen nicht von PR-Experten des Bahnunternehmens, sondern aus den Reihen der Kundschaft. Eine Jury sollte über die Wichtigkeit der vorgeschlagenen Persönlichkeiten entscheiden und eben diese Jury hat beschlossen, dass einer der Züge den Namen des jüdischen Mädchens tragen soll. Ist die Empörungswelle also ungerechtfertigt? Darüber lässt sich vielleicht streiten. Doch sollten die Streithähne im Vorhinein nicht vergessen, die Hintergründe zu überprüfen.