Hier schreibt abel
Nach der Wahl ist vor der Wahl. Diesen Satz kennen wir zur Genüge. Die Parteien samt Spitzenkräften müssen sich immer wieder neu ausrichten, ihre Wahlaussagen justieren und auf die Jagd nach Wählerstimmen gehen. Eine gute Sache, weil Politik dann über Themen nachdenken muss, die das Wahlvolk bewegen. Doch aus der guten Sache wird ein stumpfes Schwert, wenn nur die Jagd um die Wählerstimmen für den Machterhalt oder die Erlangung derselben im Mittelpunkt steht. Die jüngste Wahl in Bayern zeigte klar, dass die Wähler ein „Weiter So!“ nicht mehr wollen. Wie die beiden „Volksparteien“ dieses Votum deuten, ist bemerkenswert. Zuerst die Schuldfrage: Da war Berlin schuld! Das völlig irre Gezänk zwischen Seehofer und Kanzlerin gemischt mit den skurrilen Auftritten von Söder und seiner „Bavaria One“- Mission hat jedoch tiefe Einblicke in den Zustand der Schwesterparteien erlaubt. Jeder sieht, dass die Damen und Herren Verantwortung übernehmen mit dem Innehaben eines gutbezahlten Postens verwechseln. Bei der SPD war Berlin schuld und natürlich auch die Uneinigkeit in Bayern selbst. Insgesamt ein Ergebnis, das normalerweise Alarm und Konsequenzen personeller Natur erzeugen müsste. Doch die Gesamtbewertung der Herrschaften sagt uns Wählern, dass die großen Koalitionäre ihre hervorragende Arbeit und die Erfolge nur nicht vermitteln konnten. Ergo: Die Nation ist einfach zu doof.