Hier schreibt mey
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Bis heute wird an diesem Tag den Opfern des Nationalsozialismus gedacht, so auch in einigen Ortschaften des Jerichower Landes. Tradition ist es, dass dazu ermahnt wird, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Seit über 70 Jahren herrscht Frieden auf deutschem Boden. Ein Großteil der Bundesbürger, die unsere Gesellschaft bilden, haben keinen Krieg erlebt – das ist auch gut so! Dennoch birgt dieser lange Frieden eine Gefahr, nämlich die, dass die Geschichte zum nüchternen Mythos verwelkt und die Grausamkeiten, die nationalsozialistischen Verbrechen ihren mahnenden Schrecken verlieren. Fremd und ungreifbar wirken die Worte in den Geschichtsbüchern. Zeitzeugen, deren Erinnerungen Gefühle auszulösen vermögen, werden seltener. Einer neuen Generation rechter Gedankenverbreiter spielt es in die Karten, „Das waren doch ganz andere Zeiten!“ So rühren im Geschichtsunterricht auswendig gelernte Daten kein Herz so sehr, wie die „Ungerechtheiten, die der Flüchtlingsstrom mitsichbringt“ und die „Inkompetenz der Merkel, für die das deutsche Volk zuletzt kommt“-Parolen am Stammtisch. „Nein, ich bin kein Nazi, aber …“, macht es leicht, rechtes Gedankengut herunterzuspielen – „Gutmensch“ als neuer Titel für diejenigen, die sich einsetzen und die aus der Geschichte noch Lehren ziehen (wollen).