Hier schreibt abel
Was ist ein „Mobilitätsportal“? Auf der Suche nach einer Transportgelegenheit stieß ich auf eine Seite im Internet. Die Deutsche Bahn hat das Wort für ihren Internet-Fahrkartenschalter erfunden. Nach längerem Studium der verschiedenen Tarife, die von sauteuer bis fast geschenkt beinahe alles anbieten, kaufte ich also frühzeitig ein Ticket von Zuhause nach Brandenburg an der Havel. Dort vereinbarte ich einen Termin mit einem Geschäftspartner. Am Reisetag fuhr der Zug pünktlich ab, mein Handyticket funktionierte, in Hannover brachte man mir sogar einen Kaffee an den Platz und ich dachte: „Wahnsinn, wie gut die Bahn geworden ist, neue Züge, hell und geräumig nettes Personal“. Meine Begeisterung nahm schon bedenkliche Formen an, als eine Durchsage „einen langsam fahrenden Zug vor uns“ für unsere inzwischen acht Minuten Verspätung verantwortlich machte. Ein Blick auf den Reiseplan zeigte, dass meine Umsteigezeit in Magdeburg zwölf Minuten war. Dort verpasste ich dann auch den Anschluss und hatte Zeit, den Schmutz der Jahrhunderte in allen Ecken zu bestaunen. Auf dem Rückweg zwei Tage darauf erfuhren die Leute auf dem Bahnhof in Burg nur durch eine Anzeigetafel, dass der gesamte Zugverkehr eingestellt wurde. Ersatzverkehr oder wenigstens Auskunft: Fehlanzeige. Wie kommt es, dass die Privatisierung der Bahn außer Dividende für Aktionäre und Dreck in allen Ecken keine Fortschritte in der Verlässlichkeit gebracht hat?