Genthin (püt). Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft (SWG) lässt im Rahmen des Stadtumbau Ost in der Stadt Genthin Wohnblöcke in der Keplerstraße und Einsteinstraße abreißen. Geschäftsführerin Angelika Domsgen berichtet über das aktuelle Geschehen und den dann unbebauten Grundstücken.

Der Genthiner: In der Keplerstraße werden momentan zwei Wohnblöcke abgerissen. Diese und andere wurden 1979 wegen akuter Wohnungsnot errichtet. Werden die Wohnungen nicht mehr benötigt?

Angelika Domsgen: In den beiden Plattenbauten mit insgesamt 182 Wohnungen hatten wir bereits seit einiger Zeit einen hohen Leerstand. Es sieht nun mal auch nicht schön aus, wenn Gebäude und Außenanlagen vereinsamen. Nach umfassender Analyse hat unser Aufsichtsrat sich für den Abriss entschieden.

Der Genthiner: Sicher fiel den verbliebenen Mieterinnen und Mietern der Umzug in eine neue Wohnung schwer, lebten einige doch seit Jahrzehnten in der Keplerstraße. Wie haben Sie die Mieterinnen und Mieter vom Umzug überzeugt?

Angelika Domsgen: Mit viel Fingerspitzengefühl. In der Keplerstraße lebten vorwiegend ältere Menschen, die eigentlich nie wieder umziehen wollten. Wir sind stets bemüht, auf die individuellen Bedürfnisse unserer Mieter einzugehen. Die SWG besitzt in der Stadt Genthin mehrere Immobilien. Wir haben hunderten Mieterinnen und Mietern Wohnraum im gesamten Stadtgebiet zur Verfügung gestellt. Dies fand im beiderseitigen Einvernehmen, ohne den Rechtsweg zu beschreiten, statt.

Der Genthiner: In welchem Stadium befindet sich der Rückbau aktuell?

Angelika Domsgen: Die Entkernung der beiden Wohnblöcke ist jetzt komplett abgeschlossen. Das heißt, das gesamte Innenleben wie Sanitäranlagen, Fenster und Türen sind bereits entfernt worden. In diesen Tagen wird der Abriss der Gebäude beginnen.

Der Genthiner: Der Abriss eines so großen Immobilienkomplexes ist doch sicher finanziell sehr aufwendig?

Angelika Domsgen:Für den Abriss der Wohnblöcke Keplerstraße 2 bis 10 und 15 bis 22 haben wir am 2. Dezember 2015 einen Fördermittelbescheid über 563.080 Euro erhalten. Wir gehen momentan davon aus, dass die Fördermittel für den Abriss ausreichen und die SWG keine Eigenmittel hierzu aufbringen muss.

Der Genthiner:
Wann wird der Rückbau in der Keplerstraße abgeschlossen sein?

Angelika Domsgen: Wir rechnen damit, dass bis zum Jahresende nur noch die Keller übrig bleiben, die dann Anfang des neuen Jahres ebenso komplett rückgebaut werden. Bis 30. Juni 2018 soll die Keplerstraße komplett bereinigt sein.

Der Genthiner:
Wie groß ist die neue Freifläche und was soll damit passieren?

Angelika Domsgen: Die dann unbebauten Grundstücke in Größen von 2.946 und 3.131 Quadratmetern werden als Bauflächen für Eigenheime verkauft.

Der Genthiner:
Wo können sich interessierte Häuslebauer melden?

Angelika Domsgen: Die SWG nimmt sehr gern schon jetzt Anfragen entgegen.

Der Genthiner:
Zu welchen Preisen werden die Baugrundstücke verkauft?

Angelika Domsgen: Wir erheben einen Bodenrichtwert von 24 Euro je Quadratmeter Fläche. Wie gesagt, jeder Interessent bestimmt selbst, wieviel Bauland er erwerben möchte. Im Frühjahr 2018 werden wir die Außenanlage mit Erde auffüllen und Grassamen einbringen.

Der Genthiner: Nicht nur in der Keplerstraße wird abgerissen. Auch in der Einsteinstraße wird momentan der Wohnblock 31 bis 49 mit 100 Wohnungen abgerissen.

Angelika Domsgen:
Dieser Abriss ist eine Winterbaustelle. Zurzeit ist das beauftragte Unternehmen mit der Entkernung des Gebäudes beschäftigt. Im Sommer 2018 soll auch dieser Block komplett zurückgebaut sein. Auch hier werden keine Altlasten hinterlassen. Der Baukörper wird samt Keller komplett abgebaut.

Der Genthiner: War dieser Wohnblock denn bis zuletzt bewohnt?

Angelika Domsgen: Bis vor kurzem wohnten hier einheimische Mieter und Mieterinnen sowie Syrer unter einem Dach.

Der Genthiner:
Wo sind diese hin?

Angelika Domsgen: Die Mieter und auch die Flüchtlinge wohnen nun ebenfalls in unseren anderen Immobilien in Genthin.

Der Genthiner:
Was kostet der Abriss des Wohnblocks in der Einsteinstraße?

Angelika Domsgen:
Auch hierfür hat die SWG Fördermittel vom Land Sachsen-Anhalt erhalten. Wir gehen davon aus, dass die 360.940 Euro für den kompletten Rückbau ausreichen.

Der Genthiner: Soll auch diese freie Fläche verkauft werden?

Angelika Domsgen:
Ja. Auch dieses Grundstück mit einer Gesamtgröße von 4.688 Quadratmetern kann, auch in Teilen, als Bauland erworben werden.

Der Genthiner: Bauland ist ja gerade in Genthin wieder sehr gefragt. Sind Sie optimistisch, dass sich zukünftige Hausbesitzer bei Ihnen melden?

Angelika Domsgen: Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft hat bereits in der Vergangenheit Wohnblöcke im Baumschulenweg, Heinigtenweg, der Richard-Wagner-Straße, Guerickestraße, Gillhoffstraße und der Einsteinstraße abgerissen. Ein Eigenheim ist auf den Grundstücken bereits entstanden.

Der Genthiner: Plant die SWG auch in Zukunft größere Vorhaben?

Angelika Domsgen:
Nein. Der Abriss in der Kepler- und Einsteinstraße ist auch das letzte große Vorhaben der SWG unter meiner  Führung. In den nächsten Jahren wird es keinen weiteren Abriss von SWG-Immobilien geben.

Der Genthiner:
Wieviele Wohnungen besitzt die SWG jetzt noch?

Angelika Domsgen:
Mit dem Abriss der drei Plattenbauten mit 282 Wohnungen, der aktuell in der Kepler- und Einsteinstraße geschieht, besitzt die Städtische Wohnungsbaugesellschaft noch 1.310 Wohnungen in der Stadt Genthin. Darunter befinden sich auch die altersgerechten Wohnungen in der Schillerstraße. Leerstand kostet richtig Geld. Bereits vor zehn Jahren hat die SWG in einigen Wohnblöcken die vierte und fünfte Etage still gelegt, weil die Mieter fehlten. Mit dem Abriss der Wohnblöcke in der Vergangenheit und aktuell haben wir nicht einmal fünf Prozent Leerstand in der Stadt Genthin. Das sind 373 Wohnungen. Damit liegen wir weit unter dem Durchschnitt in Sachsen-Anhalt.

Der Genthiner: Nun gehen Sie ja nach sieben Jahren als Geschäftsführerin der Städtische Wohnungsbaugesellschaft zum 31. Dezember 2017 in den Ruhestand. Wer seinen Beruf so engagiert mit Leib und Seele ausübt, dem fällt das Aufhören doch sicher nicht leicht?

Angelika Domsgen: Ich weiß, dass ich jeden einzelnen meiner Mieterinnen und Mieter vermissen werde. Wissen Sie, ich bin stets um das menschliche Miteinander bemüht. Wenn ich und meine Mitarbeiter helfen konnten, dann haben wir das gemacht. Ich habe meinen Beruf immer mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns ausgeübt. Leider müssen wir aufgrund von Vorschriften in der vergangenen Zeit immer mehr Wohnungspolitik anstatt Wohnungswirtschaft betreiben. Das Menschliche ist leider auf der Strecke geblieben. Auch wenn wir wollten, wir dürfen die Bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter nicht mehr wie einst berücksichtigen. Es gibt in Genthin genug Hilfebedürftige, um die sich nicht mehr umfassend gekümmert werden kann. Das stört mich einfach. Aus diesem Grund höre ich auch auf.

Der Genthiner: Ein so tatkräftiger, sehr engagierter Mensch wie Sie kann doch bestimmt auch als Rentnerin die Hände nicht ruhen lassen?

Angelika Domsgen: Sicher werde ich oft an meine Zeit bei der SWG zurückdenken und auch ab und an mal vorbeischauen. Aber jetzt ist es Zeit an mich und meine Familie zu denken. Ich freue mich auf die neue freie Zeit mit meinen acht Enkeln.

Der Genthiner: Was wünschen Sie ihrem Nachfolger?

Angelika Domsgen: Michael Weber wird den Job vielleicht anders ausüben als ich, aber er wird es genauso gut machen. Da bin ich mir sicher.