Jerichow/Genthin (eb/püt). Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Das Fachkrankenhaus Jerichow und die Stadt Genthin haben am 27. und 29. Januar 2018 der Opfer des Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkrieges gedacht.

Am Gedenkstein auf dem Krankenhausgelände in Jerichow legten die Geschäftsführung, Krankenhausleitung sowie Mitarbeiter und Patienten des Fachkrankenhauses einen Kranz nieder. In seiner würdevollen Ansprache, bei der er an alle Opfer des totalitären Regimes erinnerte, appellierte Jerichows Ortsbürgermeister Andreas Dertz, das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: „Wir müssen uns errinnern, sonst wird sich alles wiederholen!“
Gemeinsam mit Harald Bothe, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow, nahm er auch in diesem Jahr an der Gedenkveranstaltung teil. Das Mahnmal, Ort des Gedenkens, trägt den Schriftzug „Vergesst uns nicht“ und erinnert an ein dunkles Kapitel der Geschichte der psychiatrischen Einrichtungen auch in der Region. Die Aktion „T4“ hatte 930 Patientinnen und Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Jerichow das Leben gekostet. Sie sind von Jerichow in die Gasmordanstalten Brandenburg und Bernburg gebracht worden. Ihre individuellen Schicksale stehen stets im Mittelpunkt des Gedenkens.
Auch in Genthin wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Seit 73 Jahren kommen Vertreter der Stadt, der Kirche sowie Einwohnerinnen und Einwohner auf dem jüdischen Friedhof zusammen, um den einstigen Genthinern Ehre zu erweisen.
Da der 27. Januar in diesem Jahr auf einen Samstag fiel und dieser Wochentag im jüdischem Glauben ein Sabbat (Ruhetag) ist, darf ein Friedhof an diesem Tag nicht betreten werden. „Gedenken wollen wir der Vergessenen, der Verdrängten, denen man das Leben genommen hat, nach dem man ihnen den Namen stahl, die Würde geraubt hatte, denen man kein Grab gelassen hat …“, in seiner Ansprache und Gebeten errinnerte Pfarrer Stephan Donath an das Leid der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Sinti und Roma, der Wehrdienstverweigerer und politischen Gegner des Nationalsozialismus. Anschließend sprach Alexandra Adel in Vertretung von Bürgermeister Thomas Barz bewegende Worte, bevor alle Anwesenden „Steine des Gedenkens“ am Mahnmal niederlegten. Diese Tradition stammt wohl aus einer Zeit, als verstorbene Israeliten noch in der Wüste bestattet wurden. Heute werden bei jedem Besuch auf einem jüdischen Friedhof neue Kieselteine als Zeichen von Trauer und Mitgefühl an den Grabmalen abgelegt. Weltweit wird dieser Brauch angewendet.