Burg (eb/reh). Die Burger Erinnerungsstätte „Carl von Clausewitz“ beherbergt ein vielfältiges und bedeutendes Archivgut. Diese lagern in gedruckter Form in den Räumlichkeiten, jedoch sind von diesem nur Bruchteile ausgestellt und für Besucherinnen und Besucher zugänglich.

Die Erinnerungsstätte hat im Rahmen seiner Möglichkeiten auch eine Bildungs- und Vermittlungsfunktion. Deshalb werden einzelne Publikationen als „Objekt des Monats“ in der Erinnerungsstätte präsentiert. Aktuell ist es eine Dokumentation um Marie von Clausewitz von 1814 und ihrem Sterbejahr 1836. Die erworbenen Kopien der handschriftlichen Blätter wurden durch Studienrat Hans-Georg Dräger vom Burger Freundeskreis „Carl von Clausewitz“ transkribiert (in zeitgenössische Form und Sprache übersetzt). „Wir sind immer bemüht, unsere Sammlungen zu erweitern. Neue Publikationen werden durch uns ausstellungswürdig aufgearbeitet. Ein sehr großer Anteil dieser Dokumente bedarf auch einer Transkription“, erklärt Rolf Gädke, in der Erinnerungsstätte Carl von Clausewitz ist er für den Bereich Dokumentation/Ausstellung tätig. Für die Transkriptionen haben wir aber einen echten Fachmann mit Studienrat Hans-Georg Dräger in unseren Reihen, der trotz seines hohen Alters diese aufwendige Arbeit akribisch vollzieht. Wenn wir alte handschriftliche Dokumentationen in der Erinnerungsstätte Clausewitz präsentieren, so sollen sie auch für „normale“ Besucherinnen und Besucher lesbar sein. Als „Objekte des Monats August“ wurden das Testament der Frau Obrist von Clausewitz, Marie Sophie geb. Gräfin von Brühl vom 16. Mai 1814, die Testament-Eröffnung im Jahr 1836 sowie der „Extract“ aus dem „Todtenregister“ der Kirche zu Neustadt-Dresden vom Jahre 1836 auserkoren. Die Kopien der handschriftlichen Blätter konnte Rolf Gädke vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv erwerben. Bei einer seiner Recherchen zur Publikation „Marie von Clausewitz und Auguste von Hessen“ stieß Rolf Gädke im Brandenburgischen Landeshauptarchiv auf hochinteressante handschriftlichen Dokumente, die im Inhalt sich mit den Eheleuten Carl und Marie von Clausewitz befassen. Die Internetseite des BLHA, deren gute benutzerfreundliche Navigation ermöglichte Rolf Gädke als Nutzer im Vorfeld seines Besuches im Archiv, online die Aktenbestellungen vorab auf den Weg zu bringen. Bei seiner online-Recherche ist er, wie beschrieben, dabei auf drei Akten gestoßen:
- Clausewitz, Marie Sophie v. geb. Gräfin v. Brühl Obrist-Ehefrau Testament 3074
- Anordnung eines Konfiskationsprozesses gegen den Major im Generalstab von Clausewitz, ehemals Lehrer an der Kriegsschule, wegen der Annahme russischer Dienste
- Clausewitz, Marie Sophie v. geb. Gräfin v. Brühl Obrist-Ehefrau Testament 3075.
Das erste Testament von Marie von Clausewitz hat eine Seitenzahl von zwölf Blättern. Doch das zweite Testament hat es in sich, sein Volumen übersteigt hundert Seiten. Das hat auch seine Bewandtnis. In dieser testamentarischen Akte ist detailliert das genau vorhandene Sachvermögen der Marie von Clausewitz aufgeführt, aktenmäßig festgehalten und dokumentiert. Mit knapp 150 Blättern im Gepäck, die nun aufgearbeitet und archiviert werden müssen, trat Rolf Gädke die Heimreise vom Archiv Potsdam-Golm in Richtung Burg an. Ein Berg von Dokumenten harrte nun ihrer Transkription. Die erarbeitete Publikation „Testament der Frau Obrist von Clausewitz“ umfasst nun in der Gesamtfassung mit Transkription 30 Blätter. Einen Auszug aus der ersten Seite ihres Testaments lautet: „Damit nach meinem Ableben über meinen Nachlaß kein Streit entsteht, so will ich auf meinen Todesfall hiermit folgendes verordnen: 1. Meine geliebte Frau Mutter, die verwittwete Generalin Gräfin von Brühl, Sophie gebohrene von Gomm, setzte ich zu meiner Erbin in den gesetzlichen Pflichttheil ein, da ich selbst bis jetzt keine Kinder habe.
2. Meinen geliebten Gemahl, Carl Philipp Gottfried von Clausewitz, zur Zeit Kaiserlich russischer Oberster, setze ich zum Erben auf den Nießbrauch meines, nach Abzug des mütterlichen Pflichtteils übrig bleibenden Vermögens, ein dergestalt hiermit auf Seine Lebenszeit ein, daß Er die Einkünfte davon für Sich behalten und genießen soll, ohne davon an Jemanden etwas abzugeben. Er soll auch den Nießbrauch von dem Pflichttheil meiner geliebten Mutter haben, wenn diese nach Gottes Willen vor mir versterben sollte. Zu urkunden dessen, habe ich diesen meinen letzten Willen auf allen Seiten und am Ende eigenhändig unterschrieben und einmahl besigelt. So geschehen zu Berlin den 16 ten May 1814. Dies ist mein letzter Wille Marie Sophie v. Clausewitz Geb. Gräfin v. Brühl“
Insgesamt „sechs Punkte“ führte die Obristin Marie Sophie von Clausewitz in ihrem Testament auf. Den Inhalt der ersten zwei Punkte wurde aufgeführt, auf die restlichen vier Punkte wird hier nicht weiter eingegangen. Nur noch so viel soll verraten werden, auch ihren einzigen Bruder, Friedrich Graf von Brühl, der zu dieser Zeit als Rittmeister in Kaiserlich österreichischen Diensten stand, wurde testamentarisch bedacht. Wer also Interesse hat, die gesamte Fassung der Dokumentation zu lesen, muss sich auf den Weg zur Burger Erinnerungsstätte Clausewitz in der Schulstraße begeben. Ein sehr interessantes Zeitdokument mit hohem Informationswert ist das „Extract“ aus dem „Todtenregister“ der Kirche zu Neustadt-Dresden vom Jahre 1836. Die Transkription des Dokuments hat folgenden Wortlaut:
„Extract: Aus dem Todtenregister der Kirche zu Neustadt- Dresden vom Jahre 1836. Frau Generalin Marie von Clausewitz geborene Gräfin von Brühl, Oberhofmeisterin Ihrer Königl. Hoheit, der Prinzessin Wilhelm von Preußen, und hinterlassene Frau Wittwe des Königl. Preuß. General-Majors, Herrn Carl von Clausewitz, starb in hiesiger Neustadt im Gasthofe zum blauen Stern am acht und zwanzigsten Januar des Jahres Ein Tausend Acht Hundert Sechs und Dreißig /:28.Januar 1836:/ Vormittags ¾ auf eilf Uhr, an einem nervösen Fieber in einem Alter von sechs und fünfzig Jahren, und wurde am ein und dreißigsten Januar des Abends von hier nach Seifersdorf bei Radeberg in der Stilleabgeführt, um daselbst beigesetzt zu werden. Daß vorstehende Nachrichten aus den hiesigen Kirchenbüchern getreu extrahiert worden sind, wird hierdurch mit Eindrückung des Kirchensiegels sub fide pastorali bescheinigt. Sigl. Neustadt Dresden am 2. Februar 1836“
Die Testament-Eröffnung erfolgte am 25. Februar 1836 in der Landeshauptstadt Berlin. Zu diesem Zweck hatten sich im Kammergericht eingefunden:
1. Rittmeister a.D. und Gutsbesitzer auf Groß Kreutz Herr Albert Rudolf Carl Wilhelm von Arnstedt, als Gatte einer Nichte der Erblasserin
2. Königliche Major im ersten Regiment zu Breslau Herr Friedrich Wilhelm Graf von Brühl
3. Königliche Kammer-Gerichts-Referendarius Herr Becker
Welchem die unbekannten Erb-Interessenten zum Mandatär ex officio zugeordnet wurden. Den drei anwesenden Herren wurde das aus dem Archiv entnommene Paket vorgelegt, welches die Aufschrift hatte:
„Hierin ist mein letzter Wille Marie Sophie von Clausewitz geb. Gräfin Brühl“
Das Paket war mit zwei Clausewitzsiegel und viermal mit einem Wappen versehen. Die drei Herren bestätigten, dass die Siegel unverletzt waren und die Unterschrift des vorgefundenen Testamentes, die Unterschrift von der Hand der Frau Testatorin stammt. Daraufhin wurde dann das Testament von Herr Bormann verlesen. Diese Publikation „Testament“, „Testament-Eröffnung“ und „Extract“ wird in einer Dokumentenmappe in der Burger Erinnerungsstätte „Carl von Clausewitz“ zur Einsicht ausgelegt.