Burg (eb/mey). Wie ist zu urteilen, ob ein Kind misshandelt wurde oder nicht? Darüber entscheiden Familienrichter. Und eben ein solches Urteil wird hier von den Großeltern einer jungen Familie angeklagt.

Am 15. Februar 2017 rief unser Schwiegersohn den Notarzt, da unsere Enkelin, Estelle Elisabeth, zu diesem Zeitpunkt sechs Wochen alt, beim Trinken plötzlich in sich zusammensackte.
Nach der sehr eigenwilligen Reanimation durch die Notärztin fuhren alle ins Burger Krankenhaus, wo nach etlichen Untersuchungen ein Verdacht auf eine Darmverstülpung geäußert wurde. Es erfolgte eine Überweisung in die Uniklinik Magdeburg. Mit dem Rettungswagen fuhren unsere Tochter und das Baby nach Magdeburg. Unser Schwiegersohn mit dem Auto hinterher. Dort wurde das Baby noch einmal durch Sonographie und Röntgen untersucht. Ohne Befund. Danach wurde Estelle auf die Kinderchirurgie verlegt.
Am 16. Februar 2017 hatte das Kind mehrmals Fieber. Bei einer weiteren Sonographie des gesamten Bauchraumes war die Untersuchung wieder ohne Befund. Am Freitag, 17. Februar 2017, wurden beide wieder entlassen. Es wurde angeraten, die Nahrung umzustellen.
Am Sonnabend, 18. Februar 2017, waren unsere Kinder mit dem Baby gegen 8 Uhr wieder im Burger Krankenhaus vorstellig, da Estelle die ganze Nacht gebrochen hatte. Sie wurden gleich weiter nach Magdeburg geschickt, wo sie dann auch mit dem eigenen Fahrzeug hinfuhren. Es wurde sofort ein kleines MRT (Magnetresonanztomographie) gemacht, wo der Verdacht einer Thrombose im Kopf geäußert wurde. Dann folgte ein großes MRT, wo eine Blutung im Gehirn und hinter dem linken Auge entdeckt wurde.
Nun wurde zum ersten Mal durch den Oberarzt und dem hinzugezogenen Rechtsmediziner der Vorwurf des Schütteltraumas geäußert. Es wurde die Kriminalpolizei und das Jugendamt Jerichower Land informiert. Nach vier Tagen auf der Intensivstation war Estelle soweit wieder gesund, um am 21. Februar 2017 in die LFK (Landesfrauenklinik) Magdeburg verlegt zu werden, wo sie bis zum 7. März 2017 blieb. Von dort aus wurde Estelle vom Jugendamt abgeholt und im Beisein unserer Tochter in das Kinder- und Jugendhaus TAO gebracht, wo sie bis zum heutigen Tage ist.
Am 17. März 2017 war die erste und einzige Verhandlung in Burg bei einem Familienrichter. Als Beteiligte waren nur eine Mitarbeiterin vom Jugendamt Genthin und die Eltern geladen. Weder die Notärztin, der Rechtsmediziner, noch die Hebamme, die das Baby regelmäßig besucht und betreut hatte, wurden geladen. Es wurde nicht beachtet, dass unsere Tochter bereits im Oktober in der Helios-Klinik in Burg lag, da sie mehrere Nierenkoliken hatte und eine Uretaschiene bekam, noch dass durch die Koliken Wehen ausgelöst wurden und unsere Tochter eine Lungenreifespritze für das Baby bekommen hatte, falls Estelle vorzeitig zur Welt gekommen wäre.
Das Sorgerecht wurde den Eltern entzogen, da laut dem Rechtsmediziner von der Uniklinik Magdeburg bei dem Kind schwerwiegende Schäden vorliegen und wahrscheinlich bleiben werden.
Laut unserem Kenntnisstand durch ein Telefonat mit dem Vormund unserer Enkelin, hat das Strafgericht Stendal das natürlich haltlose Verfahren gegen unseren Schwiegersohn eingestellt. Das gefällt dem betreffenden Familienrichter in Burg aber nicht. Er möchte einen Frei- oder Schuldspruch, ehe er das Baby in die Obhut der Eltern zurückgibt. Estelle entwickelt sich hervorragend. Sie ist nachweislich altersgerecht entwickelt und sehr aufgeweckt. Sie ist eine kleine Kämpfernatur, wie die gesamte Familie.
Das braucht man mittlerweile in Deutschland. Man kann und darf sich nicht alles gefallen lassen. Auch Ärzte, Richter und Mitarbeiter vom Jugendamt sind nur Menschen und machen Fehler. Leider bedenken diese Leute nicht, welches Leid durch Fehlentscheidungen in der Familie entstehen kann.
Die Kinder haben sich im vergangenen Jahr ein Haus auf dem Dorf gekauft. Die Nachbarn wissen natürlich besser Bescheid als die Beteiligten selber. Die Vorverurteilung ist da. Die Gerüchteküche hinter vorgehaltender Hand ist grausam und jeder Mensch sollte froh sein, nie in diese Situation zu geraten.

Frau Gladisch
Burg

 

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