Burg (mey). Bilder bewegen. Bilder lösen Gefühle aus. Bilder haben eine eigene Sprache. Bilder verbinden. In der zurückliegenden Woche wurde einigen Schülerinnen und Schülern der Conrad Tack-Schule die Welt bewegter Bilder ganz nahe gebracht.

Was bedeutet Veränderung? Was hat sich im eigenen Leben verändert? Wie verändert sich Burg? Grundlegende Fragen, die den Schülerinnen und Schülern der berufsbildenden Schule „Conrad Tack“ Anstoß zur kreativen Ideenfindung geben sollten. Von Montag, 12. bis Freitag, 16. März 2018 drehte sich alles um bewegte Bilder. Im Rahmen des Erfolgsprojektes „MIX IT!“ nahmen etwa 30 junge Erwachsene an einer Projektwoche teil. Die eine Hälfte der Gruppe setzte sich aus deutschstämmigen Schülerinnen und Schülern einer Erzieherklasse, die andere Hälfte aus Schülerinnen und Schülern mit Fluchthintergrund, aus Syrien, Afghanistan und Gambia stammend zusammen.

Berlin trifft Burg:
Ins Leben gerufen wurde „MIX IT!“ von der Deutschen Filmakademie. 2016 startete die erste Projektrunde. In Berlin und Brandenburg arbeiteten Filmschaffende erstmals mit Schulen zusammen. Nach dieser durchweg positiv gelaufenen „Testphase“ stand schnell fest, dieses Projekt verdiene es, sich auszubreiten. Im Sommer dieses Jahres wird eine Projektwoche in Zusammenarbeit mit einer sächsischen Schule stattfinden, damit wird „MIX IT!“ in allen östlichen Bundesländern Deutschlands durchgeführt worden sein.
Vor einiger Zeit hatte die Projektleitung in mehreren Standorten Sachsen-Anhalts nach Kooperationspartnern beispielsweise in Halle und Magdeburg angefragt – die berufsbildende Schule Conrad Tack sagte sofort zu. Projektleiterin Gabriela Zorn aus Berlin schilderte ihre Eindrücke von der Schule: „Die Lehrerinnen und Lehrer in Burg sind wahnsinnig engagiert, was das Thema Integration betrifft. Mir wurde beispielsweise von einem mehrtägigen Integrationsprojekt erzählt. Für die Lehrerschaft und die Schulleitung war es wohl selbstverständlich, diese Zusammenarbeit mit uns einzugehen. Es ist für sie die Möglichkeit, ihre Integrationsarbeit weiterzuführen und an zurückliegende Aktionen anzuknüpfen.“
Bilder sprechen ihre eigene Sprache. Ob Berliner, Burger, Syrer oder Deutscher – Filme verbinden. Die Projektwoche zeigte, es spielt keine Rolle, woher der- oder diejenige stammt, der oder die die Kamera in der Hand hält. Jeder arbeitet mit am Skript oder Drehbuch, das durch die Projektwoche hindurch und auf einen eigenen Kurzfilm hinführt.

Neu geschriebene „Filmgeschichte“ in Burg:
Zu Beginn der Projektwoche wurden die rund 30 jungen Erwachsenen auf drei Gruppen aufgeteilt. Jeder von ihnen wurde je ein Filmschaffender beziehungsweise eine Filmschaffende zugeteilt. Aufgabe dieser Filmprofis war es, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie Filme überhaupt entstehen.
Eine kurzgehaltene Einführung am ersten Projekttag sollte genügen, dann starteten die Jugendlichen in die kreative Phase. „Veränderung“, so lautete die Überschrift. „Die Burger zeigten sich wirklich sehr kreativ“, berichtete Gabriela Zorn. „Unsere Filmexperten halten natürlich immer ein paar Stichworte in der Hinterhand, die sie einwerfen könnten, sollte es zu Beginn eines Projektes mal nicht so gut laufen, aber die Schülerinnen und Schüler der Conrad Tack hatten das gar nicht nötig, da kamen Ideen über Ideen ganz von selbst.“
Im nächsten Schritt ging es darum, die eingeworfenen Vorschläge zu sortieren und auf ihnen aufzubauen. Kurz darauf stürzten sich die neugierigen Schülerinnen und Schüler auch schon in die Praxis. Eine der Gruppen wagte bereits am Dienstag den Schritt auf die Burger Straßen: „Was hat sich in Ihrem Leben verändert?“, fragten sie offen heraus Passanten in der Kreisstadt und führten erste Interviews.
Eine andere Gruppe untersuchte derweil an praktischen Beispielen die Bedeutung von Filmelementen. Hier wurde zunächst der Wirkung von Filmmusik und Soundeffekten auf den Grund gegangen. Wer braucht schon tiefe Brunnen und Schluchten, wenn langanhaltendes Scheppern die Illusion eines langen Sturzes in die Finsternis hervorrufen kann?
Die dritte Projektgruppe hatte in den Räumlichkeiten des Soziokulturellen Zentrums ein improvisiertes Studio errichtet. Nachrichten schreiben, vortragen, sie auf Bild und Ton festhalten, Regie führen, dabei die Idee des gruppeneigenen Kurzfilms weiterentwickeln. Schritt für Schritt erhielt jeder der Jugendlichen Einblick in die Welt von Funk und Fernsehen.
Das Ergebnis der Projektwoche, alle drei Kurzfilme der Gruppen, werden eine echte Kinopremiere feiern. Am Montag, 16. April 2018, werden die bis dahin von den Profis geschnittenen Filme im BurgTheater aufgeführt. Nach der Premiere werden alle Filme auf dem YouTube-Kanal des Projektes veröffentlicht. Informationen hierzu folgen noch.