Burg (mey). Sie gehören auf jede Gartenschau, sei es auf Landes- oder Bundesebene: Die Grabanlagen. Oftmals in einem abgelegenen Areal versteckt in einem Park, abseits der Hauptwege. Auch hier zeigt die Landesgartenschau (LaGa) Burg, dass es anders geht.

Nicht weit vom großen Spielplatz im Goethepark wird an jedem Wochenende getüftelt und gewerkelt. Die Steinmetze der Landesinnung Sachsen-Anhalt des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks führen hier die Gäste an ihre traditionelle Handwerkskunst heran. Sein Brot verdient ein Steinmetz in erster Linie durch die Gestaltung von Grabmälern. Diese besondere Kunst der Steinmetze wird auf der LaGa ein ganzes Areal gewidmet, das zum Entdecken und vielleicht auch zum Diskutieren einlädt.
24 gestaltete Grabanlagen zeigen den Vorbeiziehenden, wie Vielfalt und Abwechslung auf einem Friedhof aussehen könnten. Im Vorfeld der LaGa wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Steinmetze, überwiegend aus Sachsen-Anhalt, wurden dazu aufgerufen, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das Resultat, 24 Grabmäler können bis zum Ende der Gartenschau im Oktober nun bewundert werden. Der Burger Steinmetz Dominik Patté erklärte hierzu: „Im Rahmen der LaGa können wir Steinmetze wirklich unser Potenzial zeigen. Das ist in unserem beruflichen Alltag meist nur eingeschränkt möglich.“ Es sind teils veraltete Vorschriften, die Steinmetze wie auch Friedhofsgärtner in ihrer Arbeit einschränken. Vom Material über die Größe bis hin zur Farbe gibt es auf jedem Friedhof Richtlinien, die die Vielfalt der Grabgestaltung einschränken. „Die Richtlinien für einen Friedhof hängen eigentlich von der Gemeinde ab“, erklärt Dominik Patté LaGa-Geschäftsführer Erhard Skupch und dem gärtnerisch-technischen Leiter der Gartenschau, Frank Schröder, auf einem Streifzug durch das Areal. „Diese Richtlinien stammen größtenteils jedoch aus einer anderen Zeit, aus den 1950er oder 60er Jahren und werden seitdem im Wesentlichen kaum überarbeitet.“ Was die Grabgestaltung betrifft, so bedauert er, sind viele Friedhöfe einfach stehen geblieben. Dieser Stillstand trägt wesentlich dazu bei, dass viele Menschen den Wunsch äußern, nicht mehr im klassischen Sinne beigesetzt werden zu wollen. Anonyme Gemeinschaftsgräber oder Friedwälder gehören zu den gängigsten Alternativen, die kostengünstig erscheinen, jedoch einige Nachteile mit sich bringen. „Niemand stirbt für sich allein“, betont Patté. Erhard Skupch pflichtet ihm bei: „Die Hinterbliebenen brauchen einen Ort der Trauer, an dem sie sich festhalten können. Im Friedwald geht das vielleicht noch, weil dem Verblichenen ein Baum zugeordnet werden kann. Bei Gemeinschaftsgräbern sorgt die Anonymität sehr oft für eine zusätzliche emotionale Belastung für die Trauernden.“
Grabanlagen bringen die Aufgabe der Pflege mit sich, dieses Problem sehen viele Menschen, wenn sie sich mit ihrem eigenen Ableben beschäftigen. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, beweisen die ausgestellten Beispielanlagen. Wobei die Steinmetze im Vorfeld der LaGa lediglich grobe Vorgaben zur Gestaltung erhielten, mussten sich die Gärtner an das Ergebnis des kreativen Auslebens anpassen. Frank Schröder lobt: „Unsere Gärtner haben hier wahres Geschick bewiesen. Viele haben sich nicht nur der Größe angepasst, sondern auch Elemente der Grabmäler aufgenommen.“ Auch hier zeigen sich die unterschiedlichsten Gestaltungsmöglichkeiten: „Von robusten Bodendeckern, die kaum einer Pflege bedürfen, bis zu den buntesten Wechselfloren ist alles vertreten.“
Auch in der Bepflanzung gibt es auf jedem Friedhof strenge Vorgaben. Bestimmte Sorten und Arten sind gänzlich verboten, andere, die unter Umständen gar nicht mehr den klimatischen Bedingungen standhalten können, sind hingegen erlaubt. Hier ist ein Umdenken erforderlich. Nur Moderne und Fortschritt in der Grabgestaltung, eine Anpassung an die Generation, die sich heute mit dieser Thematik auseinandersetzt, wird, so sind sich alle einig, dazu beitragen, dass die Friedhofskultur überdauert.