Burg (mey). Im Vorfeld der Interkulturellen Woche in Burg organisierten Schülerinnen und Schüler des Burger Roland Gymnasiums am Samstag, 9. September 2017, den zweiten Tag der Toleranz und sprachen damit Problematiken an, die zu Herzen gehen (sollten).

Viele Gerüchte rund um die sogenannte Flüchlingskrise kursieren auch im Jerichower Land. Regelrechte Ängste resultieren überwiegend aus Unklarheiten und fehlgedeuteten Fakten. In einer Podiumsdiskussion in der Aula des Burger Roland Gymnasiums sollten einige der Missverständnisse angesprochen und klargestellt werden.
Lothar Schirmer führte durch die Diskussion und hieß unter anderem Polizeisprecher Hauptkommissar Falko Grabowski willkommen, der betonte, durch die Flüchtlinge haben sich die Kriminalitätsfelder verschoben. Schwere Straftaten wie Einbrüche würden nicht vermehrt begangen werden; in den Statistiken würden überwiegend Einreisen ohne Pass und auch kleinere Verkehrsdelikte zu Buche schlagen, die größtenteils aus Unkenntnis begangen werden. Dies würde solche Statistiken hervorrufen, die deutsche Bundesbürgerinnen und -bürger Sorgen bereiteten. Natürlich würden auch in Flüchtlingsunterkünften, in denen viele Menschen der unterschiedlichsten ethnischen Richtungen auf relativ kleinem Raum und mit wenig Beschäftigungsmöglichkeiten aufeinandertreffen, Straftaten begangen werden. Aber diese wären nicht weiter statistisch relevant.
Juliana Luisa Gombe vom Verein Toleranz Lernen und Leben (TOLL e.V.) setzt sich seit Jahren für die Integration von Flüchtlingen und Migranten ein. Sie kam bereits vor über 20 Jahren, lange vor der Flüchtlingskrise, nach Deutschland und kennt die Tücken der Integration. Ein wichtiger Schlüssel hierbei sei für sie ohne Frage die deutsche Sprache als Basis der Komminikation. Dies, so ist sich Landrat Dr. Steffen Burchhardt sicher, stellt die Lehrerschaft deutschlandweit vor zusätzliche Herausforderungen.
Antje Fritzsche vom Landesschulamt wollte hierbei betonen, dass der Lehrermangel ein deutschlandweites Problem wäre, das nicht durch die Zuwanderung ausländischer Schülerinnen und Schüler hervorgerufen wurde. Am Ende der Podiumsdiskussion war klar, jeder der Anwesenden wünschte sich für das Zusammenleben in Burg, im Kreis, deutschlandweit mehr Offenheit und Empathie. „Zeigen wir uns offen und tolerant“, so waren sich alle einig, „so würde uns auch mit Toleranz begegnet werden.“
Dies bewiesen nach dem Panel die zahlreichen ausländischen Besucherinnen und Besucher des Tags der Toleranz. Viele von ihnen hatten freiwillig gekocht. In Form eines großen Buffets wurden kostenlos Speisen der unterschiedlichsten Kulturen (indisch, russisch, iranisch, syrisch, und vieles mehr) zum Probieren angeboten. Interkulturell ging es auch in der Aula weiter. Musiklehrer Christian Hoffmann leitete die öffentliche Probe verschiedener Musikgruppen wie des Schlagwerks und des Oberstufenchores. In jedem Jahr widmen sich die musikalisch Interessierten des Gymnasiums einer anderen Musikrichtung - 2017 geht es um lateinamerikanische Musik. In weiteren kleineren Vorträgen und Informationsräumen luden die Schülerinnen und Schüler dazu ein, sich untereinander auszutauschen und sich mit globalen Problemen auseinanderzusetzen.