Burg (mey). „Wenn schon die Möglichkeit besteht, einen Raum der Stille im Obergeschoss eines Schulgebäudes einzurichten, dann muss die Gelegenheit einfach ergriffen werden, einen lichtdurchfluteten Raum zu schaffen.“

Seit dem März 2017 wird in der Jacobistraße und in der Schartauer Straße in Burg gebaut, was das Zeug hält. Endlich soll das Projekt verwirklicht werden, die unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Schulgebäude für künftige Schülergenerationen wieder nutzbar zu machen. Ein millionenschweres Projekt wurde in Angriff genommen. „Ohne die Zusicherung der immensen finanziellen Unterstützung durch das Land Sachsen-Anhalt hätten wir gar nicht erst mit der Planung anfangen brauchen“, gesteht Architekt Prof. Wolfgang Kühn. Etwa zweieinhalb Millionen Euro steuert das Land zur Sanierung der Schule bei. Ein Teil davon wurde in einem Fördermittelbescheid am Montag, 20. November 2017, direkt in der ehemaligen Aula des Gebäudes vom Minister für Landesentwicklung und Verkehr Thomas Webel an Bürgermeister Jörg Rehbaum übergeben. Auch Mitglieder der evangelischen Johannes-Stiftung waren Zeugen bei diesem Treffen. Die Stiftung ist neben der Stadt Burg und dem Land einer der Hauptfinanzierer des Sanierungsprojektes.
„Der Regierung des Landes Sachsen-Anhalt ist sehr wichtig, die Innenstädte aufzuwerten und den Bürgerinnen und Bürgern ein selbstbestimmtes, gutes Leben in der Stadt zu ermöglichen. In diesem Rahmen liegt es natürlich auch in unserem Interesse, Schulen nahe der Stadtzentren zu unterstützen“, begründet Thomas Webel, der in der vergangenen Zeit häufiger zu Gast in der Stadt der Türme war, die erneute Unterstützung durch das Land. Insgesamt umfasst der neue Bescheid für die Städtebauförderung für Burg über 900.000 Euro. Die Finanzierung im Rahmen der Förderprogramme soll das Gesamtbild der Stadt der Türme aufwerten – nicht nur mit Hinblick auf die Landesgartenschau Burg 2018, sondern im nachhaltigen Interesse der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger.
Zur Landesgartenschau im kommenden Jahr wird die Sanierung der Schule garantiert nicht abgeschlossen werden können. Ganz im Gegenteil – das Großevent ist eine Hürde, die Architekt Prof. Wolfgang Kühn in seine Planung mit einbeziehen musste. „Voraussichtlich bis zum Jahresende werden wir mit den Rohbau- und Stabilisierungsmaßnahmen fertig werden. Und das müssen wir auch. Ab April 2018 wird durch die Schartauer Straße regelmäßig die Bimmelbahn verkehren. Damit können wir den Hauptzugang über die Einkaufsstraße nicht mehr so nutzen, wie wir es bisher taten.“ Aber der Architekt ist optimistisch, dass es hierdurch nicht zu Verzögerungen kommen wird. Das fertige Decken des Daches ist einer der letzten Punkte, die bis zur Landesgartenschau unbedingt abgeschlossen werden müssen, und dieses Vorhaben wird laut Bauherren garantiert auch realisiert werden. Derzeit stehen desweiteren Fassadenarbeiten an. Hierbei wurde im Rahmen des Denkmalschutzes auf eine chemische Behandlung verzichtet. Fugen wurden mit klarem Wasser gereinigt, um das Erscheinungsbild der historischen Gebäude nicht zu verfälschen. Von der Jacobistraße aus ist der Fortschritt besonders gut zu erkennen. Landtagsabgeordneter Markus Kurze wies Thomas Webel darauf hin: „An der Fassade zur Jacobistraße ist das Stadtwappen zu erkennen, darunter zwei junge Mädchen. Die Gestaltung hier ist einzigartig, für mich ein wahres Highlight der ehemaligen Mädchenschule.“ In einer Führung durch eines der Gebäude, begleitet von Prof. Wolfgang Kühn und Bauleiter Sven Zöphel, wurde deutlich, was bis dato breits geleistet wurde. In einem Anbau an das historische Gebäude in der Schartauer Straße wurde nicht nur ein Aufzug installiert, der den Lernenden einen barrierefreien Zugang zu allen Stockwerken ermöglichen wird, auch der Raum der Stille im Obergeschoss nimmt im Groben Gestalt an. Sven Zöphel erklärte: „Nicht nur vom angrenzenden Balkon aus können die Schülerinnen und Schüler die Stadt Burg überblicken und – was uns besonders wichtig war – bis zur Oberkirche Unserer Lieben Frauen sehen. Hohe Fenster werden ebenso einen weiten Blick gen Himmel ermöglichen, wie zusätzliche Fenster, die in das Dach eingebaut werden.“ Die Verbindung zum Himmel ist das, was bei der Planung des Raumes der Stille im Mittelpunkt stand. Zweifelsohne imponierend ist die Sicht von hier aus, die die besondere zentrale Lage der ehemaligen Clara-Schwab-Schule unterstreicht. Die zukünftigen Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrerinnen und Lehrer der neuen evangelischen Grundschule werden hier zweifelsohne in einem passenden Umfeld beten können.
Zum Schuljahresbeginn im Sommer 2019 sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden. Die Sporthalle, die ebenfalls in den Rahmen des Bauprojektes fällt, wird schon vorher bezugsfertig sein. Jedoch werden Halle und Schulgebäude über ein gemeinsames System beheizt, weshalb auch die Sporthalle erst mit Inbetriebnahme der Schule ihren Zweck erfüllen wird. Ab dem Zeitpunkt soll sie nicht nur durch die Schülerschaft der evangelischen Grundschule, sondern auch von Sportvereinen genutzt werden können.