Ein Leser fühlt sich angesichts der Schließung des Johanniter Krankenhauses in Genthin belogen und betrogen.

Als langjähriger Stadtrat habe ich in der Vergangenheit zweimal das Sozialministerium mit anderen Abgeordneten aufgesucht, um mich für den Fortbestand des Krankenhauses einzusetzen, nachdem im Krankenhausplan des Landes Sachsen-Anhalt festgeschrieben wurde, dass das Genthiner Krankenhaus 2019 geschlossen wird.
In der ersten Beratung vor etwa zehn Jahren hatten die Stendaler Johanniter den Auftrag vom Sozialministerium erhalten, ein Konzept vorzulegen, wie es in Genthin weitergehen kann. Da sich in den folgenden Jahren nichts tat, habe das Ministerium den Träger nochmals aufgefordert, ein Konzept vorzulegen. Zum Schluss hieß es nur noch, dass das Genthiner Krankenhaus lediglich noch eine medizinische Grundversorgung garantieren werde. Ich kann daraus nur entnehmen, dass die Geschäftsleitung jahrelang darauf hingearbeitet hat, das Krankenhaus nicht zu erhalten.
Sogar Fachärzte wurden von Genthin nach Stendal nach und nach abgezogen. Wir sind von der Geschäftsführung belogen und betrogen worden.
Was sagen denn die Mediziner dazu, denn entsprechend des griechischen Arztes Hippokrates sollen Patienten vor Schädigung und Unrecht bewahrt werden? Mir ist bekannt, dass in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu den anderen Bundesländern die höchste Sterbequote nach Herzinfarkt besteht. Durch die Schließung des Krankenhauses fallen längere Transportwege an und ich vermute, dass dadurch Risikopatienten einer höheren Gefährdung ausgesetzt sind. Besonders traurig für mich: Zu DDR-Zeiten haben die Diakonissen hart und erfolgreich um den Erhalt des Krankenhauses gekämpft, nach der Wende sind solche traditionsreichen Diakonissen-Krankenhäuser erhalten geblieben – nur nicht Genthin.

Horst Leiste
Stadtrat Genthin
Kreistagsmitglied
Fraktionsvorsitzender SPD im Stadtrat Genthin
Genthin

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