In der Ausgabe des „Der Genthiner“ vom 28. Mai 2017 erschien ein Artikel zur Problematik der Aussterbenden Innenstadt Genthins „Von leeren Geschäften und geschlossenen Gaststätten – stirbt Genthins Innenstadt aus?“, nachzulesen im Internet auf www.der-burgspiegel.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe leider erst heute Ihren Artikel vom 28. Mai 2017, „Stirbt Genthins Innenstadt aus“, gelesen. Wie Sie vielleicht wissen, betreibe ich seit 2006 den dortigen Wochenmarkt. Auch ich habe festgestellt, dass die Umsätze der Markthändler erheblich zurückgegangen sind. Mit der Folge, dass sich das unter den Markthändlern leider negativ herumgesprochen hat und langsam aber sicher immer weniger Händler kommen.
Auch andere Kleinstädte haben dieses Problem schon lange erkannt und die Gebühren erheblich gesenkt, um Händler anzulocken. Auf einigen Märkten stehen die Händler kostenfrei. Mit dem Ergebnis, dass die Markthändler diesen Angeboten folgen. In Genthin kann ich als Marktbetreiber leider die Gebühren nicht senken.
Ich habe den Bürgermeister in 2016 und 2017 darauf aufmerksam gemacht, dass er die Gebühren für mich senken muss, damit ich auch meine Gebühren für die Händler senken kann. In 2016 habe ich ein Ablehnungsschreiben erhalten. Auf mein Schreiben vom 1. Mai 2017 noch keine Antwort erhalten.
Ich bezahle die höchsten Gebühren in Genthin – monatlich 1.565 Euro – und habe für den Zeitraum vom 1. Januar bis 30. April 2017 einen Bruttoüberschuss von 468 Euro erwirtschaftet, davon gehen aber noch Steuern, Versicherung und Spritkosten ab. In 2016 waren die Zahlen nicht besser. Obwohl ich auch für den Genthiner Wochenmarkt permanente Werbung für weitere Händler mache, es kommen einfach nicht mehr.
Die Kaufkraft ist in Genthin offensichtlich auch erheblich gesunken, was durch die Statistik bestätigt wird. Zudem hat die Stadt Genthin einen überdurchschnittlichen Prozentsatz an Langzeitarbeitslosen im bundesweiten Vergleich (32,88 Prozent). Wenn ich nach Genthin hineinfahre, dann habe ich immer den Eindruck, dass die Stadt leer ist, oder es ist ein Feiertag. Ich sehe nur Parkuhren, die mit Sicherheit die letzten Kunden vergraulen. Warum sollen die Kunden dann in der Innenstadt einkaufen, wenn jeder Super- oder Baumarkt kos-
tenlose Parkplätze zur Verfügung stellt. Sollte die Stadt die Gebühren nicht reduzieren, höre ich mit dem Genthiner Wochenmarkt zum 30. September 2017 auf. Es grüßt Sie aus Dallgow-Döberitz

Bernd Gellesch
Dallgow-Döberitz

PS.: Wenn der Genthiner Wochenmarkt nicht zweimal in der Woche Kundinnen und Kunden anlocken würde, dann, so befürchte ich, würde es in der Innenstadt von Genthin noch weniger Einzelhandelsgeschäfte geben als ohnehin schon.

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