Burg (mey). Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9B der Europaschule „Carl von Clausewitz“ in Burg waren die ersten, die sich in diesem Jahr im Jerichower Land mit der Ausstellung der Polizei zur Thematik Drogen und Sucht auseinandersetzten.

Drogen sind immer ein Thema, Drogen sind immer ein Problem. Prävention, die umfangreiche Information zur Problematik ist die stärkste Waffe im Kampf gegen die Sucht. Kokain, Cannabis und andere Rauschmittel sind kein Klassen-Problem. In allen Gesellschaftsschichten sind Konsumenten und Abhängige zu finden – Einkommensstärke, Bildungsstand und Herkunft spielen da kaum eine Rolle.

Ausstellung an der Europaschule:
Die Schülerinnen und Schüler der Europaschule Carl von Clausewitz sind bestens informiert. In der zurückliegenden Woche bekamen sie Besuch von Regionalbeamten der Polizei des Jerichower Landes. Die Klassenstufen 7 bis 10 besuchten im Rahmen des Sozialkunde-, Biologie-, Ethikunterrichts oder mit dem Klassenlehrer die Ausstellung, die die Beamten in den Räumlichkeiten der Schule aufgestellt hatten. Anschauungstafeln schilderten alles, was mit dem Thema Drogen zu tun hat – über den Einstieg in den Drogenkonsum, Arten verschiedener Rauschmittel, rechtliche und gesundheitliche Konsequenzen, Auswirkungen der Sucht, aber auch über Hilfe und Wege aus der Drogenhölle. Im Vorfeld hatten die zuständigen Lehrkräfte Aufgaben an die Schülerinnen und Schüler vergeben, damit sich die Jugendlichen effektiv mit dem Anschauungsmaterial beschäftigen würden. Die Regionalbeamten standen in jeder Lehrstunde mit Rat und Tat zur Seite.

Anzeigepflicht:
Polizeihauptmeister Frank Eismann begrüßte als erste in der Ausstellung die Schülerinnen und Schüler der 9B. „Die Suchtprobleme von Jugendlichen existieren nicht nur in der Außenwelt. Sie machen auch vor dem Tor des Schulhofes nicht Halt“, so sprach er die Jugendlichen an. Vor allem die rechtlichen Konsequenzen hob seine Kollegin Cordula Gobel hervor: „Jede Form von Drogenmissbrauch ist für uns anzeigepflichtig. Das heißt, wenn wir euch bei einer Fahrradkontrolle anhalten, der Verdacht des Drogenkonsums (sei es wegen auffälligen Verhaltens, des charakteristischen Geruchs oder anderer Anzeichen) entsteht und dann durch anschließende Überprüfung nachgewiesen wird, sind wir dazu verpflichtet, eine Anzeige zu schalten. Jedes noch so „kleine“ Vergehen wird auch der Führerscheinstelle gemeldet. Es wird also Konsequenzen für euren Erwerb des Führerscheins geben. Selbst wenn der Drogenkonsum nicht unmittelbar mit der Teilnahme am Straßenverkehr in Verbindung zu setzen ist!“
Wer erst der Sucht verfallen ist, rutscht leicht noch weiter ab. Der Punkt der Beschaffungskriminalität (Diebstahl und ähnliche Delikte, die begangen werden, um an Geld für entsprechende Suchtmittel zu kommen) wurde ebenso angesprochen, wie Wege, die aus der Drogenhölle führen können. So wurden die Jugendlichen darüber informiert, wer Ansprechpartner im Drogenkonflikt sein kann. Der Landkreis Jerichower Land aber auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das Deutsche Rote Kreuz und andere Verbände sind im Gegensatz zur Polizei nicht zur Anzeige verpflichtet. Abhängige aber auch Angehörige können hier Hilfe oder unverbindliche Informationen bekommen.

Ein sensibles Thema:
Für die Schülerinnen und Schüler der Carl von Clausewitz-Schule gibt es eine Ansprechpartnerin direkt vor Ort. Die Sozialarbeiterin Karola Spieß hat für die Jugendlichen immer ein offenes Ohr. „Tatsächlich kommen auch gelegentlich Schülerinnen oder Schüler zu mir, die sich in irgendeiner Form mit Drogen konfrontiert sehen“, bestätigt sie. Sei es, weil die Heranwachsenden selbst Rauschmittel konsumieren oder weil sie im Familien- oder Freundeskreis mit der Problematik zutun haben. Doch die Sozialarbeiterin beruhigt: „Wir haben ein stabiles Netzwerk, das wissen auch die Schülerinnen und Schüler. Wendet sich jemand vertrauensvoll an mich, planen wir die nächsten Schritte. Sei es in Zusammenarbeit mit einer entsprechenden Beratungsstelle oder mit der Polizei. Dabei gehe ich natürlich auf den oder die Betroffenen ein, um gemeinsam das Problem anzugehen.“

Grenzenlos:
Eine gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure ist wichtig. Eismann erklärt besorgt, heute würden viele Eltern kaum mehr aufmerksam genug gegenüber ihrer Kinder sein. Gestresst von der Arbeit lässt auch das Gespür in den eigenen vier Wänden nach. Nicht jeder Elternteil könne den typischen Geruch von Cannabis (der Droge Nummer eins im Jerichower Land unter den Konsumenten im Alter bis zu 21 Jahren) erkennen. Auffällige Verhaltensänderungen würden, wenn sie denn festgestellt werden, gern auf die Pubertät oder Stress geschoben. Doch gerade das familiäre Umfeld ist für die Heranwachsenden ein essenzieller Stützpfeiler.

Im Jerichower Land:
Der Einstieg in den Drogenkonsum ist meist der, über legale Rauschmittel. Wenn die Betäubung durch Alkohol oder Nikotin nicht mehr ausreicht, greifen Konsumenten mitunter zu härteren Mitteln und schnell ist der Weg in die Teufelsspirale eingeschlagen. 2016 wurden im Jerichower Land 265 Drogendelikte durch die Polizei festgestellt. Wie hoch die Dunkelziffer liegt, lässt sich kaum schätzen.
Die Regionalbeamten wollen mit Hilfe ihrer Ausstellung Jugendliche ansprechen, bevor sie in Kontakt mit Rauschmitteln kommen. Sie sollen sensibilisiert und zum Nachdenken angeregt werden. Die Ausstellung selbst ist ein Projekt des Landeskriminalamtes. In verschiedenen Schulen in Sachsen-Anhalt wird sie aufgebaut, von Polizeibeamten betreut und von den Lehrer- und Schülerschaften genutzt. Im Jerichower Land wurde sie erstmals im Februar 2016 gezeigt. Auch damals war es die Europaschule in Burg, die ihre Schülerinnen und Schüler mit ihrer Hilfe aufklärte. Das Burger Roland-Gymnasium und die Diesterwegschule in Burg folgten dem Beispiel.
Die Drogenproblematik ist fest im Lehrplan weiterführender Schulen verankert und soll beispielsweise im Fach Biologie behandelt werden. Mit der Ausstellung des Landeskriminalamtes werden die Schülerinnen und Schüler praxisnah mit der Thematik konfrontiert und bekommen die Gelegenheit, Fragen direkt an die Polizei zu richten und Antworten sowie reale Beispiele abseits der Lehrbücher zu bekommen. Unklarheiten, die im Unterricht teils gar nicht erst zur Sprache kommen, können hier schnell geklärt werden.