Burg (eb). Das Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ führte Ende November seine Bataillonsübung ROUGH STONE 2017 auf den Truppenübungsplätzen Klietz und Altmark durch. Im Mittelpunkt der Übung standen die beiden Nachschubkompanien, die Transportkompanie und die Luftumschlagkompanie des Bataillons.

Die Übung war gleichzeitig eine letzte Standortbestimmung für den Beginn der spezifischen einsatzvorbereitenden Ausbildung, bevor das Bataillon im nächsten Jahr konkrete Einsatzaufträge übernimmt. 2018 werden viele der Burger Logistiker in nahezu alle Einsatzgebiete der Bundeswehr verlegen – ob nach Afghanistan, Mali, in den Irak oder den Kosovo – sie werden weltweit im Einsatz sein. Um die Männer und Frauen frühzeitig bestmöglich vorzubereiten, Fachwissen und Fertigkeiten zu vertiefen und noch vorhandene Ausbildungsmängel abzustellen, war die durchgeführte Übung in ein Szenario der Landes- und Bündnisverteidigung eingebettet: In einer fiktiven Rahmenlage kommt es zu Spannungen zwischen einem NATO-Staat und einem aggressiven Nachbarstaat. Nachdem die NATO um Unterstützung gebeten wird, zeigt ein multinationaler Kampfverband an der Grenze zwischen den beiden Staaten im Rahmen einer Großübung Präsenz. Auftrag des Logistikbataillons in diesem Szenario ist es, diesen Verband logistisch zu unterstützen. Die logistische Unterstützung umfasst die Fähigkeiten der teilnehmenden Kompanien: Nachschub, Transport und Luftumschlag. Für eine zweckmäßige und zielgerichtete Beübung erhält jede Kompanie einen konkreten Auftrag.

Service für die Truppe
Die Nachschubkompanie hatte den Auftrag, einen Servicepunkt einzurichten und zu betreiben. Einen solchen Raum kann sich wie einen Autobahnrasthof für Truppenteile im Einsatz oder auf dem Marsch vorgestellt werden. Hier erhalten die Soldaten und Soldatinnen alles, was sie zur weiteren Erfüllung ihres Auftrags benötigen – Kraftstoff, Instandsetzung der Fahrzeuge, Verpflegung, Übernachtungsmöglichkeiten, sanitätsdienstliche Versorgung und vieles mehr. Dabei wurde der dort angebotene logistische „Full-Service“ bei der diesjährigen Übung durch viele externe Truppenteile genutzt, was von Vorteil war. So konnte unter realistischen Bedingungen geübt werden.
Auch für die Bergung von ausgefallenem Gerät war die Nachschubkompanie verantwortlich. Die Soldaten der Bergebereitschaft rückten innerhalb von 60 Minuten nach Alarmierung aus, um liegengebliebene oder festgefahrene Fahrzeuge wieder „flott“ zu machen oder zur Reparatur in den Servicepunkt zu schleppen – eine komplexe Aufgabe, die Mitdenken und Flexibilität auf allen Ebenen erfordert.

Luftumschlag in der Altmark
Die Luftumschlagkompanie ist für die Abfertigung von Personal und Material für den Lufttransport verantwortlich. Da in den Einsatzgebieten der Bundeswehr Aufträge auch aus behelfsmäßiger Infrastruktur heraus zu erfüllen sind, übten die Männer und Frauen der sechsten Kompanie auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Letzlinger Heide. Dort befindet sich ein Feldflugplatz, auf dem die Verfahren und Abläufe erstmals im Kompanierahmen angewandt werden konnten. Auch hier beteiligten sich, neben den Burger Logistikern, andere Truppenteile wie Feldjägerkräfte mit ihren Diensthunden zur Gepäck- und Personenkontrolle, Objektschutzkräfte der Luftwaffe sowie ein Combat Control Team der Fallschirmjäger unterstützen den Ablauf und sorgen so für eine realistische Übungsgestaltung.
Es zeigte sich schnell, dass die Zusammenarbeit zweckmäßig organisiert war; wurde Verbesserungsbedarf erkannt, wurde selbstständig gehandelt und Mängel abgestellt. Als schließlich ein Flugzeug vom Typ M28 auf der langen, geraden Wiese landete, waren alle Vorbereitungen abgeschlossen. Die abgefertigten Soldatinnen und Soldaten, die das „Einsatzland“ verlassen sollten, standen am Rand des Flugfeldes und warteten auf das Signal des Einweisers. Schließlich folgten sie ihm zum Flugzeug und stiegen ein. Die Maschine rollte auf ihre Startposition, gab Gas und hob ab – Auftrag der Luftumschlagkompanie war erfüllt.

Leben im Felde
Die Transportkompanie wurde, wie die Nachschubkompanie, im Raum Klietz eingesetzt. Die Soldatinnen und Soldaten mussten jedoch auf die Annehmlichkeiten eines Servicepunktes verzichten. Sie zogen in einem Waldstück unter. Das bedeutete, im Freien oder in den Fahrzeugen zu schlafen. Fließendes warmes Wasser oder feste Toiletten – Fehlanzeige. Trotzdem waren die Kraftfahrer jederzeit fahrtüchtig, um ihre Transportaufträge im gesamten norddeutschen Raum auszuführen. Die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten gilt für sie ebenso wie für ihre zivilen Kollegen.
Dass solche Umstände nicht unrealistisch sind, sehen wir in den aktuellen Einsätzen. Nicht immer stehen befestigte Parkflächen für die Fahrzeuge oder feste Unterbringungsmöglichkeiten für die Einsatzkräfte zur Verfügung. Daher gilt es, sich mit den vorgefundenen Bedingungen bestmöglich zu arrangieren.

Mission erfüllt
Insgesamt dauerte die Übung wenig mehr als eine Woche. Die Aufgabenpakete, die den Kompanien durch die Übungsleitung aufgegeben wurden, waren fordernd und umfangreich – wie im Einsatz auch. So wurden neben den logistischen Kernfähigkeiten auch neue Ausbildungsabschnitte in die Übung mit eingebunden: am Gewässerübergang an der Havel stellten sich die Logistiker einer nicht alltäglichen Herausforderung – Gewässerüberquerung mit den Fahrzeugen unter Nutzung einer als Fähre genutzten Faltschwimmbrücke. Dabei unterstützen die Havelberger Pioniere. Am Ende hatten alle Beteiligten dazugelernt. Die Organisation in den zugewiesenen Bereichen wurde verfeinert, bereits genutzte Verfahren verbessert und vor allem praktische Erfahrungen gesammelt – eine gute Basis, um 2018 in die finale Einsatzvorbereitung einzusteigen.