Genthin (püt). Im Rahmen der Sonderausstellung des Fördervereins „Genthiner Stadtgeschichte“ und des Kreismuseums „Bildung als Schlüssel zur Welt – Bildungspolitik und Schulgeschichte im 20. Jahrhundert am Beispiel Genthin“ fand im Kreismuseum am Sonntag, 12. November 2017, eine historische Schulstunde statt.

„Guten Morgen Frau Lehrerin“: Museumsleiterin Antonia Beran schlüpfte stilecht in die Rolle einer Lehrerin. Mit einem Morgengebet wurde dann der Unterricht begonnen. Die zahlreich erschienenen „Schüler“, die Schiefertafel, Griffel, Ranzen und Rohrstock größtenteils aus ihrer eigenen Schulzeit noch kannten, ließen sich gern in die Vergangenheit zurückversetzen. Perfekt beherrschten die Anwesenden noch das Lesen und Schreiben der lateinischen Schrift. Auch die achtjährige Elisa Bosse aus Güsen, die mit Papa Hagen den Sonntagvormittag im Museum verbrachte, war bestens vorbereitet. Inhalt der Schulstunde waren Leseübungen, Rechnen und Schreiben der alten Schrift. „Zu jedem Schreib-Buchstaben gab es zu unserer Schulzeit einen Spruch“, erinnerte sich die Runde. Anhand von Fotografien Genthiner Schulen veranschaulichte Antonia Beran die schulische Situation in der Stadt vor hundert Jahren, als Genthin noch Kreisstadt war und in Deutschland noch ein Kaiser regierte. Als die Museumsleiterin den Inhalt eines alten Schulranzens beschrieb, wurde so manche Erinnerung an die eigene Schulzeit wach. So spielten sich die Mitschüler Streiche, indem sie die Zöpfe der vor ihnen sitzenden Klassenkameradinnen in ihr Tintenfass tauchten. Die Strenge der damaligen Lehrkräfte wurde mittels Rohrstock und Verhaltensregeln zum Ausdruck gebracht. Brav wie die Schäfchen saßen die einst mehr als 60 Schulkinder auf ihren Bänken. Und auch die Tatsache, dass Kinder damals nicht im Sitzen mit Erwachsenen sprechen durften, verwunderte ein wenig. In der heutigen Zeit ist dies wohl kaum vorstellbar. Interessant war auch die Erklärung über die Entstehung der Sommerferien. Da die Kinder in dieser Jahreszeit auf dem elterlichen Hof bei der Ernte helfen mussten, blieben die Schulbänke meist leer. Die Sonderausstellung zur Genthiner Schulgeschichte kann noch bis zum 28. Januar 2017 im Kreismuseum besichtigt werden.