Genthin (püt). Die Elbe-Havel-Werkstätten betreuen 270 Menschen mit Handicap. Einer von ihnen ist Harry Giemsch aus Genthin. Zu seinem 50. Geburtstag erfüllte sich sein Lebenstraum.

Schon immer ist Harry Giemsch Fan der Ruhrpott-Fußballmannschaft Schalke 04. Begeistert spielt er auch selbst Fußball und nimmt an Pokalspielen teil. Ein wenig nervös und mit glänzenden Augen stieg der 50-Jährige am 28. Oktober 2017 mit Betreuerin Nadine Muth in Genthin in den Zug in Richtung Gelsenkirchen. Mit jedem Halt kam der Fußballfan seinem größten Traum ein Stückchen näher. Einmal im Leben seiner Lieblingsmannschaft Schalke 04 ganz nah sein, sollte sich an diesem Tag erfüllen. Nach mehr als fünf Stunden betrat er dann das erste Mal in seinem Leben die Veltinsarena „Auf Schalke“, die Heimstätte seiner blau-weißen Jungs.
Mit dem Anpfiff des Spiels Schalke 04 gegen VFL Wolfsburg vergaß Harry Giemsch alles um sich herum, hatte seine Augen nur auf das Spielfeld gerichtet. Zwischen 60.000 Fans feuerte er seine Mannschaft euphorisch an, sprang auf, schimpfte und jubelte. Endete das Spiel auch in der 90. Minute mit einem eins zu eins unentschieden, der Freude von Harry Giemsch tat dies keinen Abbruch. Sein größter Traum hatte sich an diesem Tag erfüllt. Da das Spiel in den Abendstunden endete, bezogen Harry Giemsch und Betreuerin Nadine Muth im Gästehaus „Alte Schule“ in Recklinghausen ihr kostenloses Nachtquartier, bevor es am nächsten Morgen zurück nach Genthin ging. Das alte Gebäude, dass sich inmitten ländlicher Idylle befindet, bietet Übernachtungsmöglichkeiten. Liebevoll umsorgt werden die Gäste von Mitarbeitern des Sozialwerkes St. Georg, einer Behindertenwerkstatt für Menschen mit Handicap. Harry Giemsch und die Elbe-Havel-Werkstätten sind sehr dankbar für die große Geste, die sie hier erfahren durften. In Genthin angekommen, konnte Harry Giemsch es kaum erwarten, seiner Familie und Freunden von seinem aufregenden Erlebnis zu berichten. Harry Giemsch ist noch immer der glücklichste Mensch auf Erden.
Leider war das in seinem Leben nicht immer so, denn mit zwei Jahren wurde er ins Kinderheim abgegeben. Nach mehrmaligem Heimwechsel, kam er 1985 als betreuter Mitarbeiter in die Elbe-Havel-Werkstätten. Hier fühlte sich Harry Giemsch das erste Mal zuhause und erfährt jeden Tag auch zwischenmenschliche Hilfe. In den Werkstätten erlernte Harry Giemsch den Beruf des Tischlers und im betreuten Wohnen begegnete der handwerklich geschickte Mann seiner großen Liebe Claudia. Sie heirateten und gründeten eine Familie. Die beiden Töchter sind heute 14 und 15 Jahre alt und gehen nun fast ihre eigenen Wege. Bis heute fährt Harry Giemsch jeden Morgen mit dem Bus nach Schönhausen zur Werkstatt.
Nach getaner Arbeit kehrt er zu seiner Familie nach Genthin zurück. Im betreuten Wohnen in Genthin-Altenplathow hat Harry Giemsch familiären Halt gefunden. Jeder ist für jeden da und hat stets ein offenes Ohr für die Probleme des Alltags.