Genthin (püt). In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Dietrich Krüger, einstiger Musikdirektor und Chorleiter am Genthiner Bismarck-Gymnasium, zum 105. Mal. Aus diesem Anlass plant der Förderverein des Gymnasiums eine Ausstellung zum Leben und Wirken des Genthiner Lehrerkantors. Musiklehrerin und Chorleiterin Anke Held war in den vergangenen Wochen mit ihren Schülerinnen und Schülern im Genthiner Museum auf Spurensuche von Dietrich Krüger.

Seite für Seite durchsuchten die 24 Sängerinnen und Sänger mit ihrer Lehrerin Anke Held die alten Zeitungen, im Genthiner Kreismuseum. Jeder noch so kleine Artikel über den Chor des Genthiner Bismarck-Gymnasiums und seinem damaligen Leiter Dietrich Krüger wird genau dokumentiert. In der Stadt Genthin selbst ist über den ersten Chorleiter, der nach dem ersten Weltkrieg Schul- und Kirchenmusik auf höchstem Niveau in der Kanalstadt etablierte, wenig bekannt. Aus diesem Grund trat der Förderverein des Bismarck-Gymnasiums mit der Bitte an Anke Held heran, das Leben und Wirken von Dietrich Krüger zu erforschen. „Leider wurde der Verdienst dieses großartigen Musikers in Genthin nie gewürdigt“, so Anke Held. Dies soll sich nun ändern.
Dietrich Krüger musste 1945 mit 32 Jahren aus seiner Heimat Ostpreußen flüchten und kam so nach Genthin. Nach dem Abitur besuchte Dietrich Krüger 1936 die Pädagogische Akademie Elbing. Nach bestandener Prüfung trat er 1938 als Volks- und Mittelschullehrer in den Schuldienst. Als der zweite Weltkrieg begann, wurde der Lehrer bis 1943 zum Soldaten und kehrte dann als Lehrkraft zurück nach Elbing, um am dortigen Gymnasium zu unterrichten. Noch vor Ende des zweiten Weltkrieges schloss Diet-
rich Krüger an der Hochschule für Musikerziehung in Königsberg ein weiterführendes Studium erfolgreich ab. Damit hatte er nun die Befähigung, auch das künstlerische Lehramt an der höheren Schule auszuüben. 1945 schließlich verschlug es die Familie Krüger auf ihrer Flucht vor der Front nach Genthin. Hier nahm der begabte Musiker 1945 seine Tätigkeit als Musiklehrer an der renomierten Bismarck-Schule, die 1946 zur staatlichen Oberschule Genthin wurde, an. Neben seiner Lehrtätigkeit war Dietrich Krüger auch zweiter Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Sankt Trinitatis. In den Anfangsjahren seiner Genthiner Lehrtätigkeit wurde noch nicht zwischen Schulmusik und Kirchenmusik differenziert. Die Oberschülerinnen und -schüler sangen sowohl im Schul- als auch im Kirchenchor. Am Totensonntag 1947 fand das erste Konzert des Schulchors unter der Leitung von Dietrich Krüger in der Genthiner Trinitatiskirche statt. Es folgten Auftritte in Burg, Parey und Brandenburg. 1948 wurde das Genthiner Kulturorchester ins Leben gerufen und ebenfalls vom Lehrerkantor geleitet. Diese sorgte fortan für die instrumentale Begleitung. Bald schon erlangte der Genthiner Schulchor auch überregionale Bekanntheit. So nahm der Chor an Wettbewerben teil, der Rundfunk machte Aufnahmen und die Theater in Luckenwalde und Brandenburg luden zu Auftritten ein. 1951 schließlich wurde Dietrich Krüger vom Ministerium für Volksbildung zum Musikdirektor ernannt. Nur ein Jahr später, 1952, wurde ihm durch den Rat des Kreises Genthin die Leitung des Schulchores entzogen und er wurde an die Genthiner Pestalozzischule versetzt. Die Leitung des Kirchenchores aber blieb in den Händen von Dietrich Krüger.
Mit der Versetzung an die Grundschule aber zeigte sich der Lehrer nicht einverstanden. Der Rat des Kreises verhängte 1954 ein Dirigierverbot gegen ihn. Dietrich Krüger verließ 1955 Genthin und siedelte nach Westdeutschland über, fand in Hessen eine Anstellung als Lehrkraft und Chorleiter. Hier wirkte er bis zum Eintritt ins Rentenalter 1976. Der Musikdirektor verstarb 1980. In der Stadt Genthin war der Mann, der einen hochqualitativen Schulchor begründete, für lange Zeit vergessen. Dies soll sich in diesem Jahr jedoch ändern.