Genthin (püt). Am 22. Februar 2018 kam der Genthiner Stadtrat zu seiner Sitzung zusammen. Soweit war die Zusammenkunft der Stadtväter nichts besonderes, wäre die Tagesordnung nicht um die weitere Förderung des Stadtkulturhauses ergänzt worden.

Bereits vor Beginn der Sitzung versammelten sich Vertreter aus Genthiner Vereinen in schwarze Kutten gehüllt vor dem Rathaus. Mit dabei hatten sie ein Requisit, das zum wiederholten Male den Protest und Unmut der Genthiner zum Ausdruck brachte – einen lila angestrichenen Sarg. Dieses Mal mit der Aufschrift „Hier ruht das Stadtkulturhaus“. Über diesen sollten die Stadträte „stolpern“ bevor sie in der Sitzung die Zukunft des Stadtkulturhauses beschließen, denn dieses ist nur mit finanzieller Bezuschussung der Stadt zu erhalten. Mit finsteren Blicken postierten sich die Vereinsmitglieder, dessen Domizil das Stadtkulturhaus ist, auf der Treppe zum Sitzungssaal. So konnten die Stadträte, die den Hintereingang des Rathauses bevorzugten, den dunklen Gestalten nicht entgehen. Einige Demonstranten waren auch während der Sitzung nah am Geschehen.
Seit dem Jahr 1996 wird das Stadtkulturhaus durch die Stadt bezuschusst. Belief sich der Zuschuss im Jahr 2016 noch auf 75.700 Euro, wurde dieser zuletzt im Jahr 2017 auf nur noch 50.000 Euro gekürzt. Die QSG mbH trägt die trotz Zuschusses anfallenden Defizite. Dies waren im Jahr 2016 8.498,19 Euro und 2017 14.018,72 Euro. Um kulturelle und öffentliche Veranstaltungen weiterhin im Stadtkulturhaus stattfinden zu lassen, ist der weitere finanzielle Zuschuss notwendig. Nur so können Sach-, Personal- und Betriebskosten gedeckt werden. Die Mittel sind bereits im Haushalt eingestellt. Das Stadtkulturhaus samt Grundstück gehört allerdings seit 2016 einer im Chemiepark ansässigen Firma. Beides wurde zur damaligen Zeit der QSG Genthin mbH mit Zustimmung des Stadtrates abgekauft. Mit dem neuen Eigentümer wurde vereinbart, das Stadtkulturhaus bis 2021 zu nutzen. Als Verwalter und Betreiber des Hauses wurde die QSG durch die Stadt bestimmt.
In den nächsten Jahren ist der Neubau eines neuen Stadtkulturhauses auf dem Gelände der Grundschule Stadtmitte an der Jahnstraße geplant. Die Kosten hierfür belaufen sich ersten Schätzungen zufolge auf knapp vier Millionen Euro. Ratsmitglied Heinrich Telmes machte seinem Unmut Luft: „Herr Barz hat den Stadtrat damals dazu gedrängt, das Grundstück zu verkaufen, um den Chemiepark zu vergrößern“. „Keiner von den Stadträten will, dass das Stadtkulturhaus geschlossen wird“, stellte Lutz Nitz klar.
Alexander Otto sah sich zu keiner Zeit durch den Bürgermeister übergangen oder gar erpresst: „Ich sehe keine Veranlassung, die Förderung zu kürzen“, sagte er weiter. Den Ausführungen von Heinrich Telmes widersprach der Bürgermeister vehement und suchte kurzerhand die Protokolle der Sitzungen des Hauptausschusses und des Stadtrates aus dem Jahr 2016 heraus. Die Verwaltung, spricht er, hatte damals dem Hauptausschuss vorgeschlagen, das Areal um das Stadtkulturhaus zu verkaufen und das Stadtkulturhaus selbst nicht zu verkaufen. Es sollte weiterhin eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt werden, ob das Haus behalten, ein anderes Gebäude ertüchtigt oder ein Neubau angestrebt werden sollte. Bereits der Hauptausschuss, dem Heinrich Telmes angehört, hatte jedoch damals den Bürgermeister beauftragt, mit dem Käufer zu sprechen, ob dieser das Haus nicht kaufen möchte. Dies war der Fall.
Dem Vorschlag des Hauptausschusses folgte dann der Stadtrat nach emotionaler Diskussion. Thomas Barz sagte: „Ich bin erschüttert, dass man nach nur einem Jahr mir den Verkauf anlasten will. Gottlob gibt es Protokolle, die den tatsächlichen Hergang wiedergeben.“ Sind einige Stadträte der Auffassung, nicht für die Nutzung eines fremden Hauses zahlen zu müssen, schüttelte die Mehrheit der Anwesenden den Kopf. Günter Sander ist der Meinung, dass die 50.000 Euro, die auch 2018 als Zuschuss an die QSG für die Unterhaltung des Stadtkulturhauses fließen würden, gut in den Neubau investiert werden könnten. Er möchte hierzu einen Sonderhauptausschuss einberufen. „Für den Betrieb des Stadtkulturhauses ist der Zuschuss der Stadt weiterhin notwendig“, sagte Noch-Bürgermeister Thomas Barz. Aufgrund der letzten Kürzung des Zuschusses würde das Haus schon jetzt nur noch defizitär betrieben. Bei einem strengeren Winter würden diese fehlenden finanziellen Mittel als Betriebs- und Instandhaltungskosten allen auf die Füße fallen.
Der Hauptausschuss überwies die Beschlussvorlage zur Verlängerung des Vertrages im Vorfeld zur Abstimmung an den Stadtrat. Stadtrat Harry Czeke plädierte für die Rückübertragung des Beschlusses an den Hauptausschuss. Laute Kritik kam von Stadtrat Horst Leiste: „Wir wollen die Kultur erhalten und nur darum geht es“. Er machte sich dafür stark, den Antrag noch am selben Tag im Stadtrat zu beschließen. Nach einigem Hin und Her wurde, so Czekes, Antrag auf Rück-übertragung in den Hauptausschuss mit elf zu sechs Stimmen nicht mehrheitlich angenommen. Sodann stimmten die Ratsmitglieder mit 13 Ja-Stimmen mehrheitlich für die Verlängerung der Förderung des Stadtkulturhauses bis zum 31. Dezember 2018.