Wust/Wilhelmsthal (püt). Der Geschichtskreis und die Marionettenbühne (GuM) hatten am 10. November 2018 in die Kirche von Wust zum Gedenken an Hans Hermann von Katte eingeladen.

Beinahe 90 Jahre schlummerte das Manuskript, das Martin von Katte einst über die Kindheit seines berühmtesten Vorfahren Hans Hermann von Katte verfasste. In der Kirche von Wust nun wurden diese Aufzeichnungen von seiner Tochter Dr. Maria von Katte verlesen. Am 6. November jährte sich die Hinrichtung von Hans Hermann von Katte zum 288 Mal. Ist vielen bisher nur die Verbindung Hans Hermanns mit dem Kronprinzen Friedrich dem Großen bekannt, gab es nun erstmals Einblick in seine Kindheit. Hans Hermann von Katte wurde 1704 in Berlin geboren, wuchs jedoch nach dem Tod seiner Mutter bei Verwandten in den Niederlanden, Berlin und Wust auf. Den musischen und gebildeten Hans Hermann von Katte und Friedrich den Großen verband seit 1729 eine enge Freundschaft. Um sich seinem strengen Vater zu entziehen, plante Friedrich die Flucht nach Frankreich. Hans Hermann von Katte wurde wegen Mitwisserschaft zu lebenslanger Haft verurteilt. Friedrichs Vater schließlich forderte den Tod des engsten Vertrauten seines Sohnes. Am 6. November 1730 wurde Hans Hermann von Katte vor den Augen Friedrichs des Großen auf der Festung von Küstrin enthauptet. In einem schlichten Holzsarg ruht der Jugendfreund des „Alten Fritz“ in der Familiengruft derer von Katte in Wust. Sein Vater, Hans Heinrich von Katte, ließ die Gruft 1706 direkt neben der romanischen Dorfkirche errichten. Insgesamt stehen hier zehn Särge. Kirche und Gruft in Wust sind die einzigen im Original erhaltenen Stätten der tragischen Geschichte Hans Hermanns von Katte und des Kronprinzen Friedrich dem Zweiten. In jedem Jahr finden sich tausende Gäste aus aller Welt im kleinen Wust ein, um mehr über diese preußische Familiengeschichte zu erfahren. Theodor Fontane berichtete über die Gruft 1867 in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. In der östlichen Altmark ist auf vielen Friedhöfen oder Kirchenbalustraden der Name von Katte zu finden. Wust gehörte bis zur Enteignung 1945 der Familie von Katte. Diese prägt den Landstrich „Kattewinkel“ zwischen der Elbe, Schollene und dem Jerichower Land bis heute. Mit der Wiedervereinigung kehrten einige Mitglieder des 800 Jahre alten Adelsgeschlechts in die Heimat ihrer Vorfahren zurück. Seit 1993 ist auch das ehemalige Gut Wilhelmsthal bei Neuenklitsche wieder in Katte-Hand. Enno von Katte und seine Familie betreiben hier Landwirtschaft.