Güsen (eb/püt). Der Ortsverband Genthin und Umgebung der Frauen Union hatte zum 28. Februar 2018 nach Güsen zu einem Vortrag über das „Erbrecht“ eingeladen. Zahlreiche Gäste konnten zu diesem interessanten und aufschlussreichen Abend begrüßt werden.

„Erben und Vererben sind mehr als eine juristische Angelegenheit“, begrüßte Referentin Nicole Golz, Rechtsanwältin und Bürgermeisterin von Elbe-Parey die Anwesenden. Zu Beginn ihres Vortrages verwies die Referentin auf die zunehmende Bedeutung des Erbrechts und die wichtigsten Inhalte der umfangreichen Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuches. So wurde an Beispielen zur gesetzlichen Erbfolge, dem Pflichtteilsanspruch, der Gütertrennung, zur Zugewinngemeinschaft, den verschiedenen Testamentsarten wie Berliner Testament und gemeinschaftliches Testament, der Hinterlegung, dem Vermächtnis sowie dem Ausschluss und der Ausschlagung leicht verständlich, dargelegt.
Nicole Golz betonte, dass aufgrund der modernen Zeit, die nun nicht mehr vergleichbar zu den Vorjahren ist, durch Veränderung des Familienbildes, Scheidungen, wechselnden Lebensgefährten und natürlich auch, dass aus den verschiedenen Verbindungen Kinder hervorgehen, die Bedeutung des Pflichtteilsanspruches entscheidend zugenommen hat. Pflichtteilsberechtigte seien keine Erben, sie haben aber Ansprüche, es sichert die Mindestteilhabe am Nachlass. Auch die Gründung und der Besitz von kleinen gewerblichen Familienbetrieben sind nicht immer über ein Berliner Testament festzuschreiben, sondern Bedarf der juristischen Unterstützung. Neben rechtlich höchst komplizierten Fragen, gehe es fast immer um familieninterne Befindlichkeiten, Benachteiligungsängste oder nicht gerechtfertigte Vorteile. So wurde dargestellt, dass bei einem schnell erstellten Berliner Testament Fehler schwerwiegende Auseinandersetzungen zur Folge haben können. „Ein Testament oder Erbvertrag handgeschrieben oder mit juristischer Unterstützung sei grundsätzlich unabdingbar“, sagte die Anwältin. Dies sind die geeignetsten Formen, den wirklichen Willen des Erblassers am Nachlass verbindlich zu regeln, um einen späteren Erbstreit zu vermeiden. Abschließend wies Nicole Golz darauf hin, dass das Nachlassgericht auf Antrag eine Bescheinigung über die Erbfolge ausstellt. Die Ortsgruppe der Frauen Union dankte der Referentin für den überaus interessanten Vortrag.