Burg (eb). Rolf Gädke, Mitglied des Burger Freundeskreises „Carl von Clausewitz“, berichtet.

Es ist bereits Tradition geworden, dass der Freundeskreis „Carl von Clausewitz“ kurz vor dem Todestag Carl von Clausewitz’ und der anstehenden Clausewitz-Preisverleihung zu einem Vortragabend über Persönlichkeiten aus der Zeit der Befreiungskriege einlädt. Die Magdeburger Clausewitz-Preisträgerin Inge Poetzsch referierte zum wiederholten Mal vor einem interessierten Zuhörerkreis in der Burger Erinnerungsstätte im Rahmen der Vortragsreihe „Clausewitz und Persönlichkeiten seiner Zeit“. Vor knapp vierzig Teilnehmenden ist es der Historikerin Poetzsch erneut gelungen, in einem spannenden Vortrag das Leben und Wirken von Ludwig Graf Yorck von Wartenburg anschaulich darzustellen. Ein historisches Ereignis daraus möchte Inge Poetzsch den Leserinnen und Lesern etwas näher bringen: Zwei, die mit ihrem Agieren vor 205 Jahren die Geschichte Europas bewegt haben, sind der preußische Offizier Carl von Clausewitz in russischen Diensten und dem König treuergebenen Offizier Johann David Ludwig Yorck. Allerdings musste Yorck, um Geschichte zu schreiben, gegen die Politik seines Monarchen handeln. Im Dezember 1812 liegt das preußische Hilfskorps von General Yorck vor Riga und soll den Rückzug der französischen Truppen decken. Es nähert sich ein Teil der russischen Armee unter General Fürst Sayn-Wittgenstein auf der anderen Seite der Stadt. Die Frage, wie Yorck auf dieses Zusammentreffen reagieren soll, steht im Raum. Bei Yorck ist inzwischen das konkrete Angebot von russischer Seite angekommen, auf eigene Faust einen Waffenstillstand abzuschließen und damit die Allianz mit Napoleon aufzukündigen. Als Unterhändler sendeten die Russen den jungen Offizier Carl von Clausewitz. Nach dem Treffen mit Clausewitz zauderte Yorck aber immer noch. Clausewitz berichtete in seinen Erinnerungen, wie Yorck ihn beim nächsten Treffen empfing: „Bleibt mir vom Leibe! Ich will nichts mit Euch zu tun haben. Ich muss marschieren und verbitte mir jetzt alle weiteren Unterhandlungen, die mir den Kopf kosten würden.“ Doch Yorck ließ sich von Clausewitz überzeugen, dass ein weiterer Kampf gegen die Russen sinnlos wäre. Überliefert ist sein Satz: „Ihr habt mich.“
Yorck trat vor seine Offiziere: „Meine Herren! Das französische Heer ist durch Gottes strafende Hand vernichtet, der Zeitpunkt ist gekommen, wo wir unsere Selbstständigkeit wiedergewinnen können, wenn wir uns jetzt mit dem russischen Heer vereinen. Wer so denkt wie ich, sein Leben für das Vaterland und die Freiheit herzugeben, der schließe sich mir an. Wer dies nicht will, der bleibe zurück.“ Am folgenden Tag, dem 30. Dezember 1812, trafen sich Yorck und der russische Generalmajor Diebitsch in der Poscheruner Mühle und vereinbarten die Konvention von Tauroggen – benannt nach der naheliegenden Stadt Tauroggen. Bei der Unterzeichnung des Vertrages waren dabei auf russischer Seite Oberstleutnant Carl von Clausewitz und Major Friedrich Graf zu Dohna-Schlobitten sowie auf preußischer Seite Major Florian von Seydlitz und Oberst Friedrich von Roeder. Mit seiner Unterschrift unter dem Vertrag der „Konvention von Tauroggen“, an dessen Zustandekommen Carl von Clausewitz einen großen Anteil hatte, gab Yorck ein Signal zum Befreiungskampf. Als preußischer Offizier leitete Yorck 1812 gegen den Willen von Friedrich Wilhelm III. die Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons über Europa ein. „Jetzt oder nie ist der Zeitpunkt, Freiheit und Ehre wiederzuerlangen. Mit blutigem Herzen zerreiße ich die Bande des Gehorsams und führe den Krieg auf meine eigene Hand.“
In diesem Jahr jährte sich am Donnerstag, 16. November 2017, schon zum 186. Mal Clausewitz’ Todestag.