Genthin (mey). Ein Gefühl der Paralyse, der Ohnmacht wollen die Bürgerinnen und Bürger Genthins nicht hinnehmen. Sie wollen kämpfen um ihre einstige „Perle am Kanal“.

Die Geschäftsleute Christine Guschok-Halidi und Willi Bernicke riefen am Freitag, 9. Juni 2017 die Genthinerinnen und Genthiner dazu auf, sich auf dem Marktplatz vor dem Rathaus einzufinden. Anlässlich der Schließung des Johanniter Krankenhauses sollte eine Kundgebung stattfinden. Symbolisch wurde die Innenstadt Genthins „zu Grabe getragen“. Ideen und Anregungen, wie die Stadt zu retten sei, wurden an den „Sarg“ genagelt. Einige Gedanken teilten viele der Anwesenden; neben dem Erhalt der Grünflächen und mehr Fahrradständern in der Innenstadt steht vor allem der Wunsch nach mehr Cafés und attraktiveren Geschäften, die auch am Wochenende zum Bummeln einladen, beziehungsweise breitere Angebote im Fokus. Auch der Aufruf, den Bahnübergang in der Poststraße wiederzueröffnen, war von vielen Seiten zu hören. Willi Bernicke wollte auf die lange dramatische Entwicklung der Innenstadt aufmerksam machen und gleichzeitig die Wiedergeburt einer lebenswürdigen Stadt einleiten.
Die Genthinerin Gabriele Langerwisch musste im eigenen Betrieb erfahren, wie schwierig es in der derzeitigen Lage ist, junge Menschen davon zu überzeugen, sich einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz in Genthin zu suchen. Sie bedauerte vor allem, dass es größere Läden wie Kaufland nur in die Randgebiete Genthins zieht, wo doch in der Innenstadt auch genug Platz wäre.
Olaf Thiele erschien in erster Linie noch vor seiner Schicht zur Kundgebung, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des schließenden Krankenhauses zu unterstützen. Er wurde selbst noch in der Genthiner Klinik geboren und wünscht denen, die ihre Arbeitsplätze einbüßen werden, dass sie schnell neue Anstellungen, möglichst nahe Genthins finden mögen.
Die Schließung des Krankenhauses ruft in vielen Genthinerinnen und Genthinern großen Unmut hervor. Einige sind sich sicher, durch die Sanierung Stendals wurde Genthins Klinik heruntergewirtschaftet. Im vergangenen Jahrzehnt wären viele Fehler wie die Einstellung von Ärzten auf Honorarbasis begangen worden. Dass Genthin nach behördlichen und anderen wichtigen nun auch die zentrale medizinische Einrichtung verliert, lässt Bürgerinnen wie Marga Ebert und Marianne Albrecht nur bestürzt den Kopf schütteln. Wegen großer Supermärkte am Stadtrand und vor allem durch den Versandhandel übers Internet, habe die einstige „Perle am Kanal“ einfach kaum noch Chancen, Menschen in die Innenstadt zu ziehen. Die Schließung der Klinik rufe auch Ängste hervor. Viele Rentner und Rentnerinnen leben in Genthin, Altersheime gibt es zuhauf. Aber was soll nun geschehen, wenn kaum mehr eine grundlegende medizinische Versorgung gewährleistet werden kann?