Jerichower Land (püt). In den 70er und 80er Jahren wurden im Burger Krankenhaus Neugeborene kurz nach der Geburt für tot erklärt. Unstimmigkeiten in den Akten lassen die Eltern zweifeln. Dass Kindesraub in der DDR gängige Praxis war, ist bekannt. Nun wurden Schicksale auch aus Burg, Genthin und Umgebung öffentlich.

„Zur falschen Zeit am falschen Ort“, formulierte Frank Zielinski beim Besuch der Redaktion von „Der BurgSpiegel“ mit wenigen Worten das grausame Schicksal das ihn und seine Frau vor 34 Jahren widerfuhr. Das Ehepaar ist auf der Suche nach seiner Tochter Melanie, die im Burger Krankenhaus zur Welt kam. Nur einen Tag nach der Geburt wurde das Mädchen für tot erklärt. Die Akteneinträge lassen zweifeln. Wie dem Ehepaar Zielinski ergeht es auch weiteren Eltern, die in den 70er und 80er Jahren kurz nach der Entbindung im Burger Krankenhaus ihr Kind verloren. Seit mehr als drei Jahrzehnten nun kämpft Frank Zielinski um seine Tochter. Ständig kreisen die Gedanken um den Tag der Geburt. Unbestritten ist der Kindesraub zu Zeiten der DDR. Frank Zielinski möchte nicht nur seine Melanie wiederfinden. Nein, der Möseraner bietet auch anderen Betroffenen seine Unterstützung bei der Suche nach ihren verschollenen Kindern an. Bereits am 30. September 2018 wandte er sich an die Redaktion des „Der BurgSpiegel“, um die Öffentlichkeit auf dieses Schicksal aufmerksam zu machen. Daraufhin meldeten sich fünf weitere Mütter und Väter, denen dieses Leid ebenfalls im Burger Krankenhaus ereilte. Auch sie haben auf mysteriöse Umstände ihre Babys verloren. Der Möseraner ist dankbar, dass auch diese Eltern den Mut fanden, sich zu melden und ihr Schicksal nicht einfach hinnehmen. Leider erreichte Frank Zielinski als Reaktion auf den Artikel auch ein Anruf, der ihn sehr beschäftigt. Mit „Lassen Sie die Sache auf sich beruhen, sonst passiert was“, wurde ihm gedroht. Der Anrufer meldete sich mit unterdrückter Telefonnummer. Frank Zielinski aber lässt sich nicht einschüchtern. Er wird weiterkämpfen.
„Wenn in irgendeiner Familie der Wunsch nach einem Kind bestand, wurde das Neugeborene den Müttern noch im Kreißsaal geraubt“, ist sich Frank Zielinski sicher. Besonders Mitglieder oder Sympathisanten der SED wurden so zu Adoptiveltern. „Wenn junge Frauen oder Männer das Gefühl haben, das irgendetwas nicht stimmt, sollten sie Nachforschungen anstellen. Den besten Beweis, dass ihre Eltern auch ihre leiblichen Eltern sind, liefern Fotos der Mutter während der Schwangerschaft“, bittet Frank Zielinski die jungen Leute um Unterstützung. Angst vor der Zukunft muss niemand haben. Wird auch das komplette bisherige Leben in Frage gestellt, so muss doch die Gewissheit im Vordergrund stehen. Die Schicksale der betroffenen Eltern bewegen sehr. Immer wieder kommt einem in den Sinn, dass es jedes neugeborene Kind hätte treffen können. Leider hatte der Bundestag im Jahr 2000 eine Amnestie für ehemalige Stasi-Mitarbeiter beschlossen. Die strafrechtliche Aufarbeitung wurde im Wesentlichen abgeschlossen. Bereits Ende 2000 verjährten all diese Straftaten – mit Ausnahme der Kapitalverbrechen. „Wenn Sie ein Gewissen haben, sagen Sie uns wo unsere Kinder sind“, appelliert Frank Zielinski an die vielen ehemaligen Stasi-Leute, die wohl auch in Burg, Genthin und Umgebung lebten und eventuell noch immer wohnhaft sind. Wie unzählige weitere Leidensgefährten wird Frank Zielinski sich am 8. Dezember 2018 auf den Weg nach Berlin machen. Hier wird am Brandenburger Tor auf den grausamen Kindesraub mit der Demo „DDR-Unrecht/ Säuglingstod“ aufmerksam gemacht. Zeitgleich, um 17 Uhr, wird auch auf dem Domplatz von Magdeburg demonstriert.