Burg (mey). Was wäre die Stadt der Türme ohne Sagen und Märchen? Eine der berühmtesten Erzählungen, von der ein jeder Burger zumindest schon einmal gehört haben sollte, ist die Sage vom Burger Trommler.

Einst saßen einige Freunde in einer Burger Schenke. Geschichten erzählten sie einander, prahlten mit mutigen Taten. Der Wirt, der den Erzählungen gelauscht hatte, tischte seinen Gästen bald seine eigene Geschichte auf. Er erzählte von seinen Kellergängen, unterirdischen Wegen, die in die Innenstadt und zum Weinberg führten. Die jungen Männer wollten dem nachgehen - der Mutigste unter ihnen hing sich eine Trommel und einige Windlichter um und betrat optimistisch trommelnd die Kellergänge. Seine Gefährten lauschen den leiser werdenden Trommelschlägen - bis diese irgendwann dumpf verstummten. Ein Rettungsversuch der Freunde und des Wirts, die dem Trommler nacheilten, endete damit, dass die Männer gerade noch selbst aus den stickigen Gängen entkamen. Der Trommler jedoch blieb verschwunden.
So etwa soll es sich zugetragen haben. Wie viel Wahrheit sich in der Sage verbirgt, ist nicht ganz sicher, aber die Gänge unter dem Weinberg - die existieren bis heute (auch wenn bis auf die Kammern des Eiskellers die meisten verschüttet sind).
Zum Idyll nahe des Wasserturms wurde der Burger Weinberg im Zuge der Vorbereitungen des Landesgartenschau. Dabei sollte der sagenumwobene Eiskeller natürlich nicht zu kurz kommen. Wer sich die Zeit nimmt, zu lauschen, kann nun wieder die Schläge des Trommlers hören. Der Hamburger Klangkünstler Jan Dietrich erfuhr von der Sage des Burger Trommlers und war schockiert: „Jeder, dem ich von der Sage erzähle, reagiert bestürzt über das Schicksal dieses Kerls. Seine Geschichte ist doch sehr traurig. Ich wollte der Erzählung ein wenig Frohsinn schenken.“ So stellte sich der Sounddesigner der Herausforderung, die Sage zum Leben zu erwecken. Entstanden ist ein wahres Klangkunstwerk. Die Töne unterschiedlicher Instrumente erzählen, wie der Trommler zunächst etwas unbeholfen und laienhaft trommelnd in die Kammern schreitet. Nach etwa 20 Minuten mutiert der kleine Trommler zum echten Schlagzeuger, dessen mitreißende Trommelkunst bis in den Eiskeller schallt. „Ich stelle mir vor, dass er auf seinem Weg irgendwo vielleicht das eine oder andere Weinfass findet“, schildert Dietrich lächelnd. „Daraufhin wird er noch beschwingter und schlägt nicht mehr nur seine Trommel, sondern spielt auf allem, was er findet - auf Glasflaschen oder an den Wänden beispielsweise.“
Umgesetzt wurde Jan Dietrichs Idee von Dirk Achim Dhonau, ebenfalls Hamburger, der sich von der Sage anstecken ließ. Er unterlegte sein Trommel-Gesamtwerk außerdem mit den Klängen anderer Instrumente, die den Zuhörer im schaurigen Eiskeller tiefer in den Spannungsbogen der Sage eintauchen lassen.
Wer sich vornimmt, das gesamte Klangkunstwerk durchzuhören, sollte bei seinem Gang in den Eiskeller an eine Jacke denken, denn das Stück dauert etwa eine Stunde. Aufgrund des feuchten und kühlen Raumklimas und der Schaltung unterschiedlicher Tonspuren summt die akustische Geschichte in Dauerschleife aus den in den Kammern versteckten Lautsprechern - rund um die Uhr. Besucher haben also zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich vom Trommelfieber anstecken zu lassen.
Hautnah lässt sich der Trommler zudem bei den angebotenen Führungen „Der Trommler von Burg - Ein sagenhafter Altstadtrundgang“ erleben. Vom Mai bis September 2018 führt der Trommler höchstselbst an jedem zweiten Freitag im Monat seine Gäste durch Burg und in den Eiskeller. Auch andere Burger Sagen und Geschichten kommen hierbei nicht zu kurz. Weitere Informationen zu den Führungen können über die Tourist-Information Burg eingeholt werden.