Genthin (püt). Vor einhundert Jahren erschien der Roman „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“, das wohl bekannteste Werk des Schriftstellers Johannes Gillhoff zum ersten Mal. Das Kreismuseum Jerichower Land widmet dem Buch und seinem Erschaffer bis zum 28. Januar 2018 eine Sonderausstellung. Johannes Gillhoff war von 1907 bis 1924 als Lehrer in Genthin tätig. Während dieser Zeit schrieb er „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“.

Mit dem Lesebuch, das Udo Baarck aus Glaisin 1975 in der alten Dorfschule fand, fing alles an. Beim Lesen des Romans wuchs die Neugier des damals 17-Jährigen. Als er beim Ausräumen des alten Schulhauses half, machte Udo Baarck eine noch viel wertvollere Entdeckung: Er fand das Klassenbuch von 1867, in dem der Dorfschullehrer, der Vater von Johannes Gillhoff sämtliche Vermerke schrieb. So auch hinter vielen Schülern und Schülerinnen der Hinweis der Auswanderung nach Amerika. Die Familie Gillhoff wohnte seit 1867 im Schulhaus. Der Ehrgeiz war geweckt, wollte Udo Baarck doch auch etwas über seine eigenen Vorfahren herausfinden. Schließlich ist auch seine Familie in Glaisin verwurzelt. Nach und nach trug Udo Baarck immer mehr Dokumente und Ausgaben des „Amerikafahrers“ zusammen.
Noch zu DDR-Zeiten, 1986, erreichte Udo Baarck die erste Anfrage aus Amerika. Die Familie eines Auswanderers wollte mehr über ihre Herkunft erfahren. Die Erschließung vieler Quellen gestaltete sich zur damaligen Zeit sehr schwierig. Erst mit der Wiedervereinigung wurden Kirchenbücher und Archive zugänglich und die Ahnenforschung wurde einfacher. Im Jahr 1992 wurde unter seiner Regie im alten Schulhaus von Glaisin eine Gillhoff-Stube eingerichtet. Nachfahren der im Buch erwähnten Auswanderer wurden von ihm ausfindig gemacht. „Keiner von denen hat gewusst, dass ein Roman über ihre Familie existiert“, sagt Udo Baarck. Interesse an ihrer Familiengeschichte jedoch besteht, so konnte im kleinen Glaisin bereits mehrfach Gäste aus den USA in der Gillfhoff-Stube begrüßt werden. Johannes Gillhoff verarbeitete in seinem Roman Briefe, die ehemalige Schüler und Schülerinnen seinem Vater, einst Lehrer in Glaisin, schrieben. Nachforschungen von Udo Baarck ergaben, dass es sich in dem Buch um mehrere Familien aus Mecklenburg handelt, die von 1850 bis 1900 nach Amerika ausgewandert sind. Die Hauptrolle des Romans allerdings spielt Carl Wiedow alias Jürnjakob Swehn, ebenfalls ein Einwohner Glaisins. Dieser wanderte 1868 auf einem Segelschiff in die USA aus. In Briefen unterrichtete er seinem ehemaligen Lehrer, dem Vater von Johannes Gillhoff, regelmäßig über sein neues Leben in Amerika. Der Roman um Jürnjakob Swehn erschien in mehreren Ländern. Norwegen, den Niederlanden, Argentinien und Amerika zählen dazu. Einige Bücher sind Teil der Ausstellung. Auch Fotos, die Walter Hinghaus und Harry Hardenberg 1997 auf ihrer Spurensuche 1997 in den USA machten, sind zu bestaunen. Dem Hobby-Historiker ist es sehr wichtig, dass Johannes Gilllhoff in seiner mecklenburgischen Heimat nicht in Vergessenheit gerät. Umso erstaunter war er, als er erfuhr, dass seit 2009 eine Gedenktafel an der ehemaligen Wohnstätte in Genthin an den Schriftsteller errinnert. Udo Baarck nahm Kontak mit Museumsleiterin Antonia Beran auf.
Da die Ausstellung perfekt die momentane Sonderausstellung des Museums zur Genthiner Schulgeschichte ergänzt, fiel Antonia Beran die Entscheidung nicht schwer, mit dieser Ausstellung das Leben und Wirken Johannes Gillhoff zu würdigen. Am Tag der Ausstellungseröffnung las Eckhard Neumann, Leiter des Genthiner Amateurtheaters, einige Passagen aus dem Roman vor und machte den Zuhörern Appetit auf den Roman. „Bei dem wirklich schweren Los, welches die Menschen damals hatten, haben sie ihren Humor nicht verloren“, merkte Eckhard Neumann an.
Etwa eine Millionmal wurde „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ weltweit als Buch herausgebracht. Und noch heute ist der Roman gefragt und wird noch immer verlegt. „Der Humor hält das Buch am Leben“, sagt Udo Baarck.