Burg (mey). Leicht hatte er es zu Beginn nicht, der Sachse, der um das Herz der Neuderbenerin kämpfte. Und mittlerweile hält das Glück doch schon seit 65 Jahren.

Davon, dass Manfred Schreiter ein zuvorkommender Gastgeber ist, konnten sich am Mittwoch, 5. Juli 2017 Landrat Dr. Steffen Buchhardt und Burgs Vize-Bürgermeister Jens Vogler persönlich überzeugen, als sie anlässlich des 65. Ehejubiläums des Paares Schreiter zum Gratulieren vorbeischauten. Ein edles Tröpfchen und Gutscheine für einen gemeinsamen Einkaufsbummel gab es vom Land und von der Stadt. Doch schnell setzen sollten sich die Herren – gut bewirten wollte sie Manfred Schreiter. Das ist nun mal seine Art.
Verschiedene leckere Häppchen und eine ganze Liste an unterschiedlichen Getränken stellte der heute 88-Jährige, der jüngst auch noch seinen Geburstag feierte, seinen Gästen vor, natürlich eisgekühlt, so soll es sein.

Liebe auf den ersten und Liebe auf den zweiten Blick
Mit seiner charmanten Art war es dem gebürtigen Sachsen 1951 auch gelungen, seine Hannelore zu erobern. Damals hatten sie sich im Waldfrieden in Burg kennengelernt. Manfred Schreiter diente dort als Soldat dem Panzerregiment, während Hannelore in der Bauleitung tätig gewesen war. Leicht hatte es der Chemnitzer, der auf den ersten Blick seine „Frau fürs Leben“ gefunden hatte, mit der geborenen Neuderbenerin nicht gerade; vom sächsischen Dialekt hielt sie nicht besonders viel. Doch seine Beharrlichkeit und seine guten Umgangsformen ließen sie bald die Klischees vergessen. Ein Jahr später, am 5. Juli 1952, wurde geheiratet. Schon wenige Monate später erblickte Sohn Bernd das Licht der Welt, der heute als Bänker in Berlin lebt und arbeitet.
Im November 1955 vervollständigte Tochter Ute die Familie. Die in Magdeburg als Lehrerin Tätige besucht ihre Eltern heute noch regelmäßig und half zum Eisernen Ehejubiläum dabei mit, die prominenten Gäste zu bewirten. Bis sie 14 war, so erinnert sie sich, lebten ihre Eltern, ihr Bruder und sie gemeinsam in einem Haus in der Luftwaffensiedlung in Burg Richtung Grabow. Für sie war es nicht leicht, als Hannelore und Manfred 1970 entschieden, in eine Wohnung zu ziehen. Doch bis heute nennt das Paar diese Wohnung sein Zuhause.

Die Welt sehen

Tochter Ute erinnert sich an eine schöne Kindheit. Oft war die Familie verreist. Sachsen, Thüringen, die Küsten der Ostsee, Tschechien und viele andere Regionen wurden erkundet. Nach der Wende war dem Reisedrang des Ehepaars Schreiter keine Grenze mehr gesetzt. Allein Dänemark wurde sechs mal besucht, die Donau wurde erforscht und selbst zum Nordkap verschlug es das Paar. Aus gesundheitlichen Gründen verreisen Hannelore und Manfred Schreiter heute nicht mehr. Neuderben würde sie gerne noch einmal besuchen, noch einmal die Alten Wege nutzen, noch einmal sehen, was aus ihrer Heimat geworden ist. Dr. Steffen Burchhardt gab Tochter Ute den Hinweis: „Das ist der Wink mit dem Zaunpfahl! Wenn man die Eltern nicht in die Heimat bringen kann, könnte man die Heimat vielleicht zu den Eltern bringen. Vielleicht mit einem kleinen Video über das frühere Heimatdorf.“

Der Schlüssel zum Glück
Der Landrat zeigte großen Respekt den Jubiliaren gegenüber. 65 Jahre mit dem selben Menschen zu durchleben, schafft schließlich nicht jeder. Das muss erstmal nachgemacht werden. Der sogenannte Schlüssel zum Glück, so zeigt es das Ehepaar Schreiter, ist das Dasein füreinander in allen Lebenslagen. Wie das gemeint ist, zeigen sie auch im höheren Alter. Wo bis vor wenigen Jahren Hannelore für den Haushalt mit Leib und Seele zuständig gewesen ist, kümmert sich Manfred heute voll und ganz um seine Gattin und deren Wohlergehen. Natürlich verbindet auch die Familie. Drei Enkel und zwei Urenkel bescherten ihre Kinder Hannelore und Manfred Schreiter bis heute.
Wer wem den Heiratsantrag machte, hätte Dr. Steffen Burchhardt gern erfahren, doch das ist schon so lange her. „Sicherlich mein Mann mir“, versucht sich Hannelore zu erinnern. Doch das ist es nicht, worauf es ankommt. Wichtig ist, dass sie nach 65 Jahren noch füreinander da und fit im Kopf sind. Geistig gesund hält sich das Jubelpaar durch Kreuzworträtsel und Bücher. Schade wäre es wohl, würden die Erinnerungen an die lange gemeinsame Zeit vergessen werden.