Krüssau (mey). Wer heute durch die fernab der Bundesstraße B1 gelegene Ortschaft Krüssau fährt, mag es vielleicht nicht glauben, aber genau hierher verschlug es einst die Enkelin des Magdeburgers Otto von Guericke, Johanna Hedwig.

Mit Blick auf das kulturelle Erbe des Landes Sachsen-Anhalt wurde 1990 „Die Magdeburgische Gesellschaft zur Förderung der Künste, Wissenschaften und Gewerbe e.V.“ ins Leben gerufen. Zu den größten Erfolgen der Gesellschaft gehören unter anderem die Instandsetzung der „Preußischen Madonna“ (des Denkmals der Königin Luise) in Halle oder die Wiedererrichtung des Basedow-Denkmals. Mit Hilfe von Sponsoren stellt die Gesellschaft zudem jährlich ein Projekt auf die Beine, in dessen Rahmen jungen ABC-Schützen „Kulturschultüten“ übergeben werden, die ihnen den Kontakt zu kulturellen Einrichtungen, darunter beispielsweise Puppentheater oder die Stadtbibliothek erleichtern sollen. In jedem Jahr veranstalten die Mitglieder der Gesellschaft eine Vereinsreise, auf der sie sich mit den kulturellen Gütern des Bundeslandes auseinandersetzen. Am Sonntag, 22. Oktober 2017, führte ihr Weg ins Jerichower Land. Ihr erster Halt galt dem Gemeinderaum in Krüssau, wo sie von Mitgliedern des Heimatvereins Krüssau/Brandenstein e.V. empfangen wurden. Vereinsvorsitzende Christine Meyer stellte das Wirken des Heimatvereins in Zusammenarbeit mit anderen ortsansässigen Vereinen wie der Freiwilligen Feuerwehr vor. Durch die gastierende Gesellschaft wurden auch Probleme angesprochen, die das Dorfleben bieten. Deutlich wurde, dass sowohl der Kulturverein als auch der im Vergleich zu ihm eher kleine Heimatverein mit ähnlichen Problematiken kämpften – in erster Linie neue und vor allem junge Mitglieder anzuwerben. Die Krüssauer versuchen dies durch eine rege Beteiligung am Dorfleben. So werden beispielsweise regelmäßig Feste veranstaltet oder unterstützt, die gelegentlich sogar Magdeburger Gäste anlocken. Das starke Engagement der Vereinsmitglieder belohnte die Magdeburgische Gesellschaft mit einem Spendenscheck über 500 Euro, die der Heimatverein gut zu investieren weiß.
Nach der regen Gesprächsrunde mit dem Heimatverein zog es die Magdeburger in die stolze Kirche der Ortschaft, deren Bau finanziell durch die Enkelin Otto von Guerickes, Johanna Hedwig von Guericke ermöglicht worden war, die in die Familie der von Arnims und somit nach Krüssau einheiratete. Sie soll, so wird es jedenfalls erzählt, in der Heimat ihres Gatten Michael Christoph von Arnim ihr „Paradies“ gesehen haben.