Güsen (mey). Disziplin, Beweglichkeit und Körperbeherrschung sind nur drei der Fähigkeiten, die für das Leben im und mit dem Zirkus von Bedeutung sind. Diese und einige mehr lernten die Kinder der Grundschule Güsen auf eine ganz besondere Art und Weise kennen.

Drei öffentliche Vorstellungen gaben die Jungen und Mädchen der Grundschule Güsen am Donnerstag, 1. Juni und Freitag, 2. Juni 2017 in dem großen Zirkuszelt. Schon seit vielen Jahren arbeitet der erste ostdeutsche Projektzirkus Andre Sperlich nun schon mit der Grundschule zusammen. Alle vier Jahre kommen die Artisten, Dompteure und andere Zirkusleute in das Jerichower Land, um mit den Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen gemeinsam ein unterhaltsames und für die ganze Familie spannendes Programm zusammen zu stellen. Die Kinder dürfen sich hierbei selbst aussuchen, in welche Artistengruppe sie möchten, ob sie lieber Clowns oder Jongleure, Dompteure oder Zauberer wären. Voraussetzungen gibt es so gut wie keine. Die Hauptsache ist, dass sich die Kinder in ihren Rollen wohlfühlen und Spaß haben. Denn Spaß soll er schließlich bringen, der Zirkus.
Bereits am Sonntag, 28. Juni 2017 wurde das Zirkuszelt der Familie Sperlich auf dem Gelände der Grundschule Güsen aufgebaut. Zum dritten Mal waren sie nun hier zu Gast, ihr letzter Besuch lag vier Jahre zurück. Am Montag konnte die Projektwoche dann offiziell beginnen und die begeisterten Schülerinnen und Schüler wagten sich allmählich an ihre Rollen und Aufgaben aus der Zirkuswelt heran.
Sie lernten viele verschiedene Talente kennen, die das Leben der Artisten und Artistinnen mitsichbringt. So mussten einige von ihnen zum allerersten Mal in vollkommen neugemischten Gruppen zusammenarbeiten und ihre Scheu vor dem Publikum überwinden. Schulleiterin Carola Rosenmüller betonte, wie wichtig diese Tugenden und Fähigkeiten nicht nur im Zirkus sondern auch im realen Schulalltag und im privaten Leben sind. „Wichtig ist, dass die Jungen und Mädchen lernen, sich bewegen zu dürfen“, hob sie hervor. „Wie oft sind wir früher auf Bäume geklettert, haben uns kopfüber an Geländer gehängt oder sind Rad gefahren? Das geht mit der Zeit mehr und mehr verloren“, gibt die Lehrerin zu bedenken. Immer mehr würden die Kinder behütet werden, Chancen, ihren Körper kennenzulernen und zu schulen sowie die eigenen Grenzen nicht nur zu erforschen, sondern auch mal zu überschreiten und auszudehnen, rückten immer mehr in die Ferne. Umso dankbarer war Carola Rosenmüller um Andre Sperlich und seinem Team. Besonders freute sich die Schulleiterin darüber, dass auch alle rumänischen Kinder integriert worden waren. Voller Stolz folgten auch ihre Kolleginnen und Kollegen den Vorführungen. Finanziert wurde das Projekt vollkommen durch Spenden. Den größten Anteil hatten die Akku Netzwerkstelle ESF mit dem Programm „Schulerfolg sichern“, die Sparkasse Jerichower Land und der Förderverein Elbe-Parey übernommen. Aber auch anderen Sponsoren und den Unterstützenden anderer Projekte wie der Kuchenbasare war es zu verdanken, dass das Projekt für alle Schülerinnen und Schüler kostenfrei angeboten werden konnte. Ohne die finanzielle Unterstützung von Firmen, Vereinen und Privatpersonen hätten sicher nicht alle teilnehmen können.