EU (eb). Die EU-Außenminister haben am 22. Mai 2018 dem Handelsmandat der EU-Kommission zugestimmt, das die Verhandlungen für Handelsabkommen zwischen der EU, Neuseeland und Australien in die Wege leitet.

Bisher ist der sensible Milchmarkt in Europa weitestgehend vor Importen geschützt. Der Schutz kann mit diesem neuen Handelsabkommen fallen. „Die Situation auf dem Milchmarkt ist aktuell äußerst fragil und angespannt“, sagte Ottmar Ilchmann, Milchsprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Zwar hat sich der Markt in den letzten Wochen leicht erholt, trotzdem ist perspektivisch nicht mit Preissteigerungen zu rechnen. Der Milchmarkt ist immer noch übervoll. Deshalb liegt der Preis, den die Erzeuger erhalten, zehn Cent unter der Kostendeckung. Die Situation für unsere Milchhöfe ist ruinös und nun sollen durch ein neues Handelsabkommen mit Neuseeland und Australien noch zusätzliche Milchimporte auf unsere übervollen Märkte zugelassen werden. Damit wird unsere bäuerliche Milchwirtschaft gänzlich auf's Spiel gesetzt.“
Neuseeland und Australien wollen in erster Linie Milch- und Fleischprodukte exportieren. Nach Berechnungen des Thünen-Institutes könnten im Falle einer vollständigen Liberalisierung die Produktionsrückgänge in Deutschland zwischen 3,3 und 3,9 Prozent bei Rohmilch und zwischen 3,9 und 4,5 Prozent bei Milchprodukten liegen. Die Milcherzeugung ist in Ozeanien deutlich billiger als in Europa, doch die Billigstrategie hat in ihren Preis. Umweltbelastungen durch Nährstoffüberschüsse aus der Landwirtschaft machen immer wieder Schlagzeilen. „Diese Umweltbelastungen importieren wir mit, wenn solche Handelsabkommen abgeschlossen werden“, so Ilchmann. „Gleichzeitig wird unsere Landwirtschaft, angetrieben durch die billige Export- und Importorientierung, ebenfalls zunehmend in die Intensivierung getrieben. Diese Entwicklung kritisieren zunehmend die Gesellschaft und Bäuerinnen und Bauern. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft lehnt solche Handelsabkommen wie mit Neuseeland und Australien ab und fordert eine Qualitätsoffensive.“