Burg (mey). Wer mit Flüchtlingen, ethnischen Minderheiten oder anderen Randgruppen ob beruflich oder ehrenamtlich zu tun hat, kennt sicher viele der Anfeindungen, die gern als „Meinungsfreiheit“ getarnt herausposaunt werden.

Es passiert mitunter in ganz alltäglichen Situationen und im Umgang mit Freunden, Kollegen oder Verwandten und umso persönlicher der Kontakt zum Gegenüber ist, desto beklemmender ist es, wenn dieser fremdenfeindliche Aussagen tätigt.
Falsch gehandhabt können Äußerungen wie „Die sollen machen, dass sie wieder nach Hause kommen“ oder „Hauptsache, die kriegen alle erstmal kostenlose Smartphones“ schnell zur Eskalation führen. Ein kühler Kopf und vor allem eine gut durchdachte Argumentation sind gefragt. Der richtige Umgang mit diesem heiklen Thema wurde am Donnerstag, 22. März 2018, im AWO-Nachbarschaftstreff in Burg in einem kostenlosen Workshop für die am Thema Interessierten, die ehren- oder hauptamtlich mit Geflüchteten zu tun haben, vermittelt.
Georg Schütze vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. und Argumentationstrainerin Elisa Walter fragten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops zum Einstieg nach ihren alltäglichen Erfahrungen. Die Erlebnisse ähnelten sich, vielen klingelten Aussagen wie „Die kriegen meine Steuergelder“ oder „Die wollen sich doch überhaupt nicht integrieren“ wie Echos in den Ohren. Im Kreis Ähnlichdenkender wie in diesem Workshop fällt es nicht schwer, sachlich gegenzuargumentieren und verschiedene Fakten zu erwidern, aber schon in der ersten praktischeren Übung, in denen die eine Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Rolle sich rassistisch Äußernder treten sollte, wurde klar, dass es gar nicht so einfach ist, im Affekt klare Worte zu finden und sich durch diese auch Gehör zu verschaffen. „Es war irgendwie einfacher, ‘Angreifer’ zu sein und die bekannten Parolen zu äußern, als sachlich und klar dagegen zu argumentieren“, lautete für einige das Fazit dieser Übung. Doch genau hier liegt die Kunst – sich nicht von der Leichtigkeit des falschen Weges beeinflussen zu lassen. Vor allem, wenn sich Freunde oder Kollegen abfällig gegenüber Flüchtlingen oder anderen Randgruppen äußern, fühlen sich diejenigen, die sich für sie einsetzen, oftmals gehemmt. In solchen Situationen ist es hilfreich, sich von der emotionalen Ebene abzusetzen, gegebenenfalls Verständnis für Wut oder Enttäuschung zu zeigen, dabei jedoch wacklige Aussagen zu hinterfragen und vor allem zu entschlüsseln, woher Emotionen gegenüber der falschen Adressaten stammen, um sie aufzuklären, denn meistens richten sich Neid, Angst und Hass gegen diejenigen, die am wenigsten dafür können.