Magdeburg (mey). Am vergangenen Wochenende zogen bunte Figuren durch die Landeshauptstadt. Anlässlich der Contaku schlüpften Anhänger der Anime-, Manga- und Gamingszene in ihre Kostüme.

Am Samstag, 18., und Sonntag, 19. August 2018, wurden Magdeburger Zeugen eines außergewöhnlichen Phänomens. Die Rede ist hier nicht von der Entschärfung einer Fliegerbombe in der rekordflachen Elbe, sondern von auffällig kostümierten jungen Erwachsenen, die sich anlässlich der diesjährigen Contaku zu hunderten am und im AMO Kulturhaus trafen. Alljährlich bietet diese Messe für japanische Pop-Kultur einen Ort, an dem sich die Anhänger der Szene ausleben können. Sogenannte Cosplays (Kostüme, die sich an japanischen Zeichentrickserien oder –filmen, Spielen oder japanischen Comics orientieren) gehören ebenso zu einer Convention (zu Deutsch „Treffen“), wie die Auftritte von Showgruppen, Künstlerstände und ein ausgedehnter Händlerbereich. Im Maid-Café werden ganz im Stile Japans Kaffee und farbenfroher Kuchen von kostümierten Dienstmädchen (den „Maids“) serviert.
Jede Convention hat ihr eigenes Regelwerk. Absolutes Alkohol- und Rauchverbot steht dabei stets ganz oben festgeschrieben – ein Umstand, der von außenstehenden Besuchern, die die Contaku nutzten, um sich dieser Szenewelt anzunähern, hoch gelobt wird. Mitten im bunten Treiben im Biergarten des AMO-Kulturhauses stechen die unkostümierten Eltern einer Cosplayerin heraus. Die Hallenser besuchten die Contaku schon im letzten Jahr, als diese noch im Magdeburger Moritzhof abgehalten worden war. Von der Szene haben sie eine deutliche Meinung: „Das ist einfach toll!“ Eine bunte Welt, die ablenkt vom tristen Grau des Alltags und der Politik. Dass sich Jugendliche und junge Erwachsene hier gern fallenlassen und fern von politischen Unstimmigkeiten und anderen Problemen abschalten können, sei durchaus verständlich. „Sie sind offen und freundlich, keiner ist an Stress interessiert. Selbst wenn jemand im Gedränge einem anderen auf die Füße tritt, wird sich gleich entschuldigt. Sie sind vernünftig, kommen miteinander ins Gespräch und sind auch Fremden gegenüber total offen“, lobt der Hallenser. Kritik äußert er nur gegenüber der Location: „Wir haben mit unserer Tochter die Contaku schon im letzten Jahr besucht, damals noch im Moritzhof. Der hatte irgendwie mehr Flair, es war urischer.“ Auch wenn Künstler und Händler dort bedingt durch den Platzmangel auf den Moritzplatz ausweichen mussten, wäre die Ausstrahlung dort ansprechender gewesen. „Hier im AMO geht noch einiges“, sind sich die beiden Besucher einig. „Bunter, offener, freundlicher. Eben dem Charakter dieser bunten Szene entsprechend.“ Dann klappe es auch wieder mit dem Flair der Contaku. Auch wenn verständlich sei, wieso der Moritzplatz nicht länger als Veranstaltungsort herhalten konnte. Das Grundproblem des Moritzhofes spiele im AMO tatsächlich keine Rolle mehr, betonte auch Anna Weinreich vom Organisationsteam der Magdeburger Animemesse. Schwierigkeiten mit den Anwohnern gäbe es hier nicht. Insgesamt seien die Veranstalter sehr zufrieden mit der neuen Location. Sicher könne beim ersten Mal in einem ganz neuen Umfeld nicht alles gleich perfekt laufen, aber durch die Rückmeldungen der Gäste, der Künstler, Händler, Helfer und aller anderen werde sich die Contaku stets weiterentwickeln, um in jedem Jahr noch attraktiver für die Animeszene im Herzen Sachsen-Anhalts zu werden. Insgesamt zeigt sich Anna Weinreich sehr zufrieden mit der diesjährigen Messe. Obwohl gleichzeitig noch viele andere Veranstaltungen in Magdeburg und der Umgebung stattfanden, seien doch ganz ähnliche Besucherzahlen wie im Vorjahr geschrieben worden. Damit habe sich der Wechsel der Location jetzt schon bewährt.