Jerichower Land (eb). Im Landkreis droht Altersarmut im größeren Ausmaß als bislang angenommen. Dies befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Rund 8.000 Arbeitnehmer würden nach ihrem derzeiten Verdienst nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Kreisweit sind dies 27 Prozent aller Beschäftigten.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt im Landkreis bei aktuell 719 Euro monatlich. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Analyse des Pestel-Instituts hervor. Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner im Landkreis deutlicher steigen, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es rund 9.600 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen. Holger Willem, Geschäftsführer der NGG-Region Magdeburg, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse auch von seiner Rente leben können. Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Willem. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben. Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Willem. Gerade in Branchen wie Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei gibt es bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat aktuell fast jeder Zweite im Landkreis einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.