Burg (mey). Das Recht zu arbeiten, sich seinen Unterhalt selbst auf ehrliche Weise zu verdienen, sich in die Gesellschaft einzubringen, ist eine essenzielle Grundlage dafür, selbst Teil der Gesellschaft zu werden und zu bleiben.

Die Diakonie hat diesen Sachverhalt erkannt und rief deshalb vor vier Jahren das Projekt ZEBRA (Zentrum für Entlassungshilfe, Beratung, Resozialisierung und Anlaufstelle zur Vermittlung gemeinnütziger Arbeit) ins Leben. Im Rahmen dieses Projektes und des Arbeitskreises „Resozialisieren und Kriminalprävention“ des Jerichower Landes wurde vor kurzem erstmals „Eine Broschüre für Inhaftierte, von Haft bedrohte Menschen und deren Angehörige“ entworfen, die ab sofort beim Jobcenter Burg, in Gerichten, der Justizvollzugsanstalt (JVA) und anderen Netzwerkpartnern frei erhältlich ausliegen. „Wir wollen Menschen, die auf Grund ihrer Verfehlung eine Strafe in der JVA empfangen, nach Absitzen der Strafe die Hand reichen“, sagt Reinbern Erben von der Diakonie. Vor allem in der sozialen Arbeit und somit auch im Jobcenter ist dies ein brisantes Thema. Das Jobcenter sieht sich als wichtiges Mitglied im Netzwerk und sorgt unter anderem dafür, ehemalige Inhaftierte auf den Arbeitsmarkt oder auf Ausbildungen vorzubereiten. Geschäftsführer Marco Gravert erklärt: „Der Arbeitsmarkt in der Region braucht Arbeitskräfte.“ Bisher sind es noch Einzelfälle, in denen ehemalige Inhaftierte vom Jobcenter betreut werden, doch in diesen Fällen machte das Unternehmen bisher gute Erfahrungen. Dennoch ist es schwierig, Arbeitgeber für die vorbelasteten Arbeitnehmer aufzuschließen. Auch in der Diakonie arbeitet ein ehemaliger Inhaftierter als zuverlässiges und integriertes Teammitglied. Candy Kaczmarek aus dem Jobcenter weiß, Arbeit zu vergeben, ist eine Vertrauensangelegenheit. „Vielen Arbeitgebern ist es unangenehm, eine Stelle zu vergeben, wenn sie nicht wissen, wofür ein ehemaliger Inhaftierter bestraft worden war. Aber auch wir vom Jobcenter wissen es nicht. Wir wissen nur, dass er seine Strafe abgesessen hat.“ Reinbern Erben weiß, das Thema ist kontrovers. Aber er und seine Partnerinnen und Partner des „Netzwerk Straffälligenhilfe Jerichower Land“ wissen auch, dass eine ehrliche Arbeit die Grundlage für ein ehrliches Leben ist. Die Chance darauf sollte jedem gegeben werden. Und viele Strafgefangene haben den Punkt erreicht, an dem sie der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen.