Scharteucke (mey). In dem „Luxus“, in einer der reichsten Industrienationen der Erde zu leben, ist schnell vergessen, dass es anderen am Nötigsten fehlt.

„Wir wissen, dass Kleidung, Schulsachen und anderes auf diesem Weg auch wirklich ankommen – ohne, dass sich zwischendurch jemand daran bereichert“, betonen Ronald Stobbe und seine Lebensgefährtin auf die Frage hin, weshalb sie ihre Spenden nicht einfach gemeinnützigen Vereinen übergeben. Seit Jahren bereist das Paar Länder und Regionen, die nicht gerade als luxuriöse Urlaubsziele bekannt sind. Zuletzt hatten sie Kenia besucht. Der Erholungsfaktor spielt im Urlaub eine untergeordnete Rolle. Der Kartoffelsuppenkönig des Jahres 2008 und seine Lebensgefährtin reisen bewusst dorthin, wo Hilfe gebraucht wird. Was dabei im Reisegepäck landet, ist von jeher gleich – Kleidung, Spielsachen, Kuscheltiere, Süßigkeiten, Schulsachen, eben alles, was in Deutschland alltäglich erscheint, worüber sich Kinder der dritten Welt jedoch freuen. Steht im Vorhinein noch nicht fest, wo genau die Spenden ankommen sollen, erkundigt sich Roland Stobbe vor Ort, wo es Waisenhäuser, Armenunterkünfte oder Schulen gibt. Diese werden dann besucht, damit die mitgebrachten Geschenke direkt übergeben werden können. Was Plüschtiere sind und wie süß Bonbons schmecken können, erfahren die Kinder hier teilweise zum ersten Mal. Das ganze Jahr über wird nach Schnäppchen Ausschau gehalten, damit der Spendenkoffer auch ordentlich voll wird. Auch Freunde, Bekannte und Verwandte, selbst die eigenen Enkel und die Nachbarn aus Scharteucke helfen beim Sammeln mit. Was Kinder und Jugendliche in Deutschland ablegen, weil es nicht mehr gefällt oder weil sie einfach herausgewachsen sind, kann anderorts noch für strahlende Gesichter sorgen. Und das ist der einzige Lohn, den Ronald Stobbe und seine Lebensgefährtin annehmen. Die Einheimischen kennenlernen, die Kultur verstehen, Menschen begegnen, darauf kommt es bei den Reisen rund um die Welt für den Kartoffelsuppenkönig an. Natürlich ist auch er dabei in Hotels untergebracht, aber auch hier zeigt er Auge und Ohr für diejenigen, die eher im Schatten der Tourismusbranche arbeiten und leben. „Den Kellnern wird von den Hotelgästen öfter mal etwas zugesteckt“, stellte er fest, „aber haben Sie schon einmal auf das andere Personal geachtet, wie zum Beispiel die Gärtner?“ Besonders schockierend waren die Zustände in Regionen, die nicht nur gegen wirtschaftliche Krisen, sondern auch gegen Naturkatastrophen kämpfen mussten. In Sri Lanka wurde beispielsweise sichtbar, wofür die Spendengelder gemeinnütziger Vereine benutzt wurden. Hotels wurden zügig wieder aufgebaut, doch viele Einheimische, eben diejenigen, die wahrhaft alles verloren hatten, lebten auch nach Jahren noch in einfachen Zelten. Sie bekamen nicht viel mit von der Hilfe der reichen Industrienationen.