Burg (mey). Nicht nur in Halle, Neuköln oder anderen Stadtregionen wird deutlich, dass Hass und Neid in vielen Köpfen mitschwingt und sich manche Bürgerinnen und Bürger dazu verleiten lassen, ihrem Unmut auf eine unfaire, teils gesetzeswidrige Weise Luft zu machen. Das Gegenmittel: Stellung beziehen, statt wegsehen.

Am Mittwoch, 22. November 2017, wurde in der Sekundarschule „Carl von Clausewitz“ die Demokratiekonferenz zum Thema „Vielfalt und Engagement für Demokratie in der Region“ abgehalten. Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums vom AWO-Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. eröffnete die Konferenz mit dem Aufruf, Gesicht zu zeigen und sich einzumischen. Anfeindungen nicht nur Ausländern, auch Andersdenkenden, Andersseienden gegenüber dürfen nicht einfach wortlos hingenommen werden. Um im Gegensatz dazu Gutes zu förden, dürfe nicht außer Acht gelassen werden, wie viele Ehrenamtliche und Vereine sich bereits engagieren, Aktivitäten und Maßnahmen im Sinne der Demokratie voranzubringen. „Je mehr gute Taten wir gemeinsam erbringen, desto besser wird unsere Welt.“
Um Vielfalt und Engagement zu unterstützen, wurde das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ aufgestellt. Daniela Ferl, Hauptorganisatorin der Demokratiekonferenz gab einen kleinen
Rückblick darüber, was die Partnerschaft für Demokratie Burg und südliches Jerichower Land bereits alles erreicht hat. 45.000 Euro wurden in Projekte, die sich der Demokratie widmen, inves-
tiert. 2018 sollen laut Ferl noch mehr Projekte finanziell durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ unterstützt werden. Diesen Gedanken vertritt auch Alexander Tippelt im Namen der Stadt Burg. So sollen im kommenden Jahr etwa 115.000 Euro aus Bundes- und Landesprogrammen sowie der Stadtkasse für demokratische Projekte in und um Burg zur Verfügung stehen.
Nach den Referaten und Vorstellungen nutzten viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. Auch Landrat Dr. Steffen Burchhardt bezog Stellung. Er lobte nicht nur das Engagement der Veranstalter und der zahlreichen Ehrenamtlichen, die aus dem gesamten Landkreis angereist waren. Vor allem freute es ihn, dass auch viele junge Erwachsene ihren Weg zur Konferenz gefunden und sich an ihr beteiligt haben. „Es stimmt mich optimis-
tisch, dass sich so viele junge Menschen in ihrer Freizeit für mehr Demokratie einsetzen.“
Nach der Pause teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. Vier Workshops wurden zu unterschiedlichen Themengebieten angeboten. Das Kinder- und Jugendforum und das Jugendwerk Rolandmühle stellten in ihrem Workshop „Kinder- und Jugendbeteiligung am Beispiel konkreter Erfahrungen“ Projekte vor, die sie in der Vergangenheit mitgestaltet hatten. Die Jugendlichen wie Lucien Schröder konnten bereits beweisen; auch junge Menschen können in Burg etwas bewegen.
Sina Laubenstein stellte in ihrem Workshop die Kampagne „No Hate Speech“ vor. Hass gab es schon immer – mit dem Internet hat er nur ein schnelleres, größeres Medium gefunden. Unter dem Hashtag #NoHateSpeech sollen User zum Nachdenken angeregt werden. Gerade auf Portalen wie Facebook, Instagram und Co. wird es sogenannten Hatern leicht gemacht, ihre Beleidigungen und Beschimpfungen zu verbreiten. Nur wenige stellen sich ihnen in den Weg, doch jeder kann etwas bewegen. So ist es in Sachsen-Anhalt sogar möglich, die „Hasskriminalität mit dem Tatmittel Internet“ anonym und direkt online über das Polizei- Portal anzuzeigen.
In einem dritten Workshop wurde über das Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ diskutiert. In der „Ideenwerkstatt zur Stärkung von Demokratie und Engagement in Vereinen und Verbänden“ kamen die Teilnehmenden zu dem Schluss, dass bereits vorhandenes Engagement unbedingt gefördert werden müsse. Wie das zu erreichen wäre, wurde rege diskutiert.
Fazit ist, es gibt viele Möglichkeiten, Demokratie zu verbreiten. Man muss sie nur nutzen.