„Helikopter-Eltern sind überängstliche Eltern, die sich zu viel einmischen und dabei die vollständige Kontrolle im Leben ihrer Kinder übernehmen“, sagt Dr. Ann L. Dunnewold, Psychologin. „Wir wollen, dass alles perfekt und total sicher für unsere Kinder ist und sicher gehen, dass sie nicht gelangweilt oder unglücklich sind oder dass es ihnen an Spaß fehlt oder gar an Lernmöglichkeiten“, sagt sie.

Helikopter-Eltern, die den Namen dem ständigen Kreisen über ihren Kinder zu verdanken haben, tun dies, indem sie das Leben ihrer Kinder regieren. „Helikopter-Eltern sind stetig darauf bedacht, ihren Kindern jede Entscheidung abzunehmen“, fügt Dr. Karen Ruskin, Familientherapeutin, hinzu. Eltern fühlen sich nicht wohl damit, Entscheidungen ihren Kindern zu überlassen und haben das Bedürfnis, das Umfeld ihrer Kinder stetig zu kontrollieren. „Auch wenn diesen Kindern Liebe durch ihre Eltern widerfährt, so fühlen sie sich von deren Über-Engagement erdrückt“, sagt sie.

Anzeichen dafür, dass Sie ein Helikopter-Elternteil sind:

• Sie spielen immer zusammen
Sehen Sie sich um: Sind Sie der einzige Elternteil auf dem Karussell? Halten Sie Ihr Kind davon ab, mit anderen zu spielen? Dies könnten Anzeichen dafür sein, dass Sie über Ihrem Kind kreisen. „Wir erleben alle Momente, indem wir unsere Kinder schützen wollen oder gerne sehen würden, dass unsere Kinder in allem am besten abschneiden“, sagt Dr. Dunnewold. „Sie haben vermutlich ein schlechtes Gewissen, wenn Sie nicht immer mit einer singenden Stimme mit Ihrem Baby sprechen, jede Minute, die es wach ist. Oder vielleicht laufen Sie auch mit Schweißausbrüchen Ihrem Kleinkind hinterher, um es vor jedem Stolperer und jedem blauen Fleck zu bewahren.“

• Sie schließen Freundschaft mit Lehrkräften
Sie wissen nicht nur, wie die Lehrer Ihres Kindes heißen – Sie kennen sogar deren Telefonnummer, Adresse und ihr Lieblingsgericht. „Helikopter-Eltern beteiligen sich nicht einfach nur an der Bildung ihrer Kinder, sie planen und organisieren jedes Detail davon“, erklärt Dr. Deborah Gilboa, Erziehungsexpertin und Autorin von „Get the Behavoir You Want… Without Being the Parent You Hate.“ „Wenn Sie die Telefonnummer und Adresse des Lehrers Ihres Kindes im Kopf haben, gehören Sie wahrscheinlich zu den Helikopter-Eltern.“

• Sie verfolgen jeden Schritt
Vielleicht kennt Ihr Auto den Weg zum Fußballverein Ihres Kindes, zum Tanzunterricht oder zur Kinder Yoga Klasse, ohne dass Sie überhaupt fahren müssen. Ihrem Kind beim großen Spiel von der Tribüne aus zuzujubeln ist toll, aber bei jeder Trainingsstunde oder Spielverabredung dabei zu sein, bedeutet auch, dass Sie für sich selbst keine Zeit mehr haben. „Dieser Erziehungsstil stresst Eltern, weil er bedeutet, dass Sie vor lauter Kontrolle oft nicht mehr richtig durchatmen können“, sagt Dr. Dunnewold. „Ihre eigenen Bedürfnisse kommen zu kurz und schnell sind die Batterien leer.“

• Sie tragen die ganze Verantwortung alleine
Womöglich machen Sie die Wäsche und helfen Ihrem Kind bei den Hausaufgaben. Aber wenn Sie alle Aufgaben selbst erledigen und Ihrem Kind nicht die Gelegenheit geben, auch nur einen Finger im Haushalt zu rühren, dann zählen Sie womöglich zu den Helikopter-Eltern. Sie denken, dass Sie helfen, aber durch dieses Verhalten können Kinder Probleme bekommen. „Wenn Sie alles für Ihre Kinder tun, lernen sie nicht, wie sie diese Dinge selbst tun können“, erklärt Dr. Dunnewold.

• Sie nehmen Noten persönlich
Hat Sie diese eine schlechte Bewertung halb in den Wahnsinn getrieben? Engagieren Sie sich für jedes Schulprojekt, damit Ihr Kind auch den ersten Platz belegt? Können Sie Ihr Kind keine eigenen Fehler machen lassen? Ausrutscher in der Schule oder ähnliche Fehler sind normal und Ihr Kind vor Noten schlechter als einer eins zu bewahren, ist unmöglich.

• Sie haben die Oberhand über den Tagesablauf
Ihr Tagesplaner quillt fast über – nicht aufgrund Ihrer eigenen Termine, sondern aufgrund von Veranstaltungen, Trainingsstunden oder Nachhilfe. Helikopter-Eltern organisieren das Leben Ihrer Kinder bis ins kleinste Detail, um Ihnen alles zu bieten. Diese übertriebene Planung mag gut gemeint sein, kann aber auch schnell zu viel werden.
„Wir lieben unsere Kinder, fühlen mit ihnen mit und erleben jedes Detail ihres Lebens, als wäre es unser eigenes. Wir versuchen, das Beste aus ihrem Leben zu machen“, sagt Dr. Gilboa. „Wir verlieren dabei jedoch das Hauptziel aus den Augen, nämlich, es unseren Kindern zu überlassen, ihr eigenes Glück zu finden.“

Erinnerungen können Eltern helfen – was noch?
Eltern, die ihren Kindern etwas zutrauen, brauchen keine Handys, die per GPS das Kind orten können. Sie wissen, dass sie sich auf ihren Nachwuchs verlassen können. Kinder brauchen Mut und Zutrauen. Das ist nicht einfach für uns Eltern. Aber vielleicht hilft es, sich an die eigene Kindheit zu erinnern. An die Freude daran, im Garten mit den anderen Kindern eine Hütte zu bauen, an den Ball, der in den Tümpel gerollt war und den man herausfischte – obwohl das verboten war. An viele kleine Krisen, die gemeistert wurden. Waren unsere Eltern locker, unbesorgter oder unbedarfter? Auf jeden Fall mutiger. Sätze wie: „Ach, mein Kind kann das schon“ waren häufiger. Erstklässler als Schlüsselkinder? Heute undenkbar, vor dreißig Jahren modern und normal. Es ist nicht einfach, Kindergartenkinder und kleine Grundschüler alleine durch die Gegend stromern zu lassen. Aber vielleicht können wir lernen, wieder weniger Angst zu haben? Mehr Freiraum zu lassen, damit Kinder wieder mehr freie Kindheit erleben können? Sehen Sie das auch so? Oder ist es vielleicht besser, dass Eltern heute viel vorsichtiger sind als ihre eigenen Eltern?
Quelle: www.betreut.de