abel (eb). 2018 ist vorbei. 2019 steht vor der Tür und wir blicken zurück, stellen uns die Frage, ob das Jahr all das gehalten hat, was wir uns von ihm versprochen haben.

Sind die Prophezeiungen der Auguren eingetreten oder lagen sie, wie so oft, daneben? Vor der Fußball-WM 2018 in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli errechneten Analysten der Schweizer Bank UBS mithilfe eines Hochleistungsrechners die Titelchancen der deutschen Nationalmannschaft. Demnach war die Wahrscheinlichkeit eines Triumphs der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit 24 Prozent am höchsten von allen 32 Teilnehmern. Dahinter folgten Brasilien (19,8), Spanien (16,1) und England (8,5). Bekanntlich schied Deutschland schon in der Vorrunde sang- und klanglos aus. Wir sehen, dass statistische Verfahren nicht immer zu verlässlichen Aussagen führen. Da wäre es doch schön, wenn Fachleute mit vielen Jahren Erfahrung die richtigen Vorhersagen zu einem einfachen Thema treffen könnten. Experten hatten vor den Folgen des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung DSGVO gewarnt. Eine gewaltige Abmahnwelle würde in Gang kommen. Zweifelhafte Anwälte würden vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern alles mit Abmahnschreiben überhäufen, um im Grunde ohne Berechtigung Geld einzutreiben. Dieses Horrorszenario ist ebenfalls nicht eingetreten. Diese hellseherischen Fehlschläge sollten doch nun am Ende eines Jahres dazu führen, keine wie auch immer gearteten Prophezeiungen als gegeben anzunehmen oder sie zur Basis des eigenen Handelns zu machen. Doch was sehen wir allenthalben? Die Horoskope blühen wie immer um diese Zeit des Jahres, die Astrologen und Esoteriker haben Hochkonjunktur. Wen wundert es da noch, dass es Verschwörungstheorien noch immer leicht haben, Zweifel an wissenschaftlich fundierten Aussagen zu säen? Es ist schon unheimlich, wie leicht es für offensichtliche Laien ist, zum Beispiel die Klimaforschung als dummes Zeug hinzustellen. Ein Forschungsgebiet, das mit gewaltigen Fortschritten aufwartet, das die Vorgänge in unserer Umwelt immer besser erklären kann, wird mal eben angezweifelt. Es würden mit dieser Forschung politische Interessen verfolgt, wird behauptet und noch vieles mehr. Da werden alle möglichen Vermutungen zu Tatsachen hochstilisiert, Präsidenten verfügen über alternative Fakten, Staatsangehörige verschwinden spurlos und unter den fadenscheinigsten Ausreden. Trotzdem glauben viele Menschen mehr dem Internet als den „traditionellen“ Medien. Wir sollten vielleicht anfangen, im Jahr 2019 unseren eigenen Blick auf die Welt zu schärfen, auf die Freiheit der Presse achten und uns nicht auf die Hellseher, Wahrsager, Demagogen oder Populisten zu verlassen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein wunderbares 2019.