Jerichower Land (mey). „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“, fragte schon Rudi Carrell im Jahr 1975 in seinem Dauerbrenner-Ohrwurm. Und diese Frage stellten sich die Bürgerinnen und Bürger in der vergangenen Woche wohl auch deutschlandweit.

Viele Landstriche, gerade die Region um den Harz, traf es noch härter. Oder nasser. Das ausdauernde trübe Wetter sorgte im Jerichower Land überwiegend für echte demotivierende „Sofa-Stimmung“. In Genthin gab es sogar unter Wasser gesetzte Tiefgaragen und Keller. Nach Tagen des unablässigen Dauerregens ist einem da nicht gerade nach „Singing in the Rain“ wie von Gene Kelly. Aber der Regen hat auch sein Gutes. Zumindest für die Bauern. Der Mais misst vielerorts schon jetzt weit über zwei Meter. Eine reiche Ernte versprechen hier die dicken Wolken, vorausgesetzt, sie verziehen sich zur Erntezeit auch wieder. Denn zu nass darf auch der Mais nicht sein, wird er vom Feld ins Silo verbracht. Auch das Futter auf den Weiden sprießt, und gutes Futter auf der Koppel ist der sicherste Zaun, wie sich Viehhalter untereinander zunicken.
Doch auch für die Landwirte stellt das Regenwetter ein zweischneidiges Schwert dar. Was für den Mais und das Grünfutter das Paradies bedeutet, könnte bald für Schwierigkeiten im Zeitplan sorgen. Agrotechnische Termine sind einzuhalten und die werden in erster Linie vom Wetter bestimmt. Mal eben einen Sommerurlaub an der Ostsee können Landwirte manchmal eben nur verbringen, wenn es zuhause regnet, denn jeder trockene Tag muss für die Getreideernte genutzt werden. Der Ablaufplan ist eng gesteckt. Gerste, Weizen, Roggen müssen schnell und vor allem trocken eingelagert werden, zwischendurch muss der Raps vom Feld. Und nach der Ernte? Da muss schon an die nächste und vor allem pünktliche Aussaat gedacht werden, nachdem die Felder richtig „beackert“ worden sind. Und das alles noch bevor Mais und Rüben vom Feld geholt werden müssen.
Und unsereins dachte schon, Regenwetter führe einfach nur zu schlechter Laune, weil lieber in der warmen Sommersonne gebrutzelt und seinen Urlaub zur Erholung genutzt würde. Tja, ein verregneter Sommer bedeutet für manch einen ein noch viel größeres Leid.