Jerichower Land (mey). Vor 100 Jahren, am 30. November 1918, wurde Frauen in Deutschland das Recht gewährt, sich an Wahlen zu öffentlichen Körperschaften zu beteiligen – ein großer, wenn auch später Schritt für das überwiegend von Männern geführte Europa.

Im zwölften Jahrhundert setzte sich Hildegard von Bingen in einer von Männern geprägten und geführten Kirchenwelt durch, Jeanne d’Arc zog im 15. Jahrhundert mit Schwert und Rüstung in die Schlacht und nach Queen Victoria, der „Witwe von Windsor“, wurde eine ganze Epoche benannt. Die Geschichte lehrt von vielen starken Frauen, die ihren männlichen Zeitgenossen die Stirn boten, dennoch sind westliche Gesellschaften bis heute ziemlich weit davon entfernt, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu gewährleisten. Auf die Initiative sozialistischer Organisationen hin entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg der Kampf um Emanzipation und der später zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden erkorene Internationale Frauentag. Losgetreten wurde eine Bewegung für die Rechte der Frauen, Organisationen setzen sich bis heute dafür ein, dass Frauen Männern gleichgestellt werden, doch eine absolute Gleichheit hat sich auch 2018 in Deutschland noch nicht eingestellt.
Sie engagieren sich in Vereinen, übernehmen Führungspositionen, tragen nicht weniger Verantwortung auf den Schultern als ihre männlichen Kollegen. Bei Feuerwehr- oder Bundeswehreinsätzen stehen sie gemeinsam mit ihren Kameraden an vorderster Front. Und obwohl Frauen heute ganz ähnliche Pflichten wie Männer übernehmen, leisten sie nach Feierabend oftmals obendrein noch den Löwenanteil der Erziehungsarbeit des Nachwuchses, samt Hausputz und Seelsorge für Gatten und Kind.
Dafür soll Frauen gegenüber am 8. März ein besonders hohes Maß an Wertschätzung zukommen. Ein einziger Tag, an dem Mann den Frauen, die ihm nahe stehen, danken sollte. Ein Blumenstrauß, eine Pralinenschachtel und nicht zu vergessen das warmherzige „Alles Liebe zum Frauentag, Schatz/Mutti/Oma/liebe Kollegin!“
100 Jahre Frauenwahlrecht und Kampf um Gleichberechtigung, dennoch verdienen Frauen heute im Schnitt immer noch etwa 21 Prozent weniger als Männer. Selbst bei gleicher Position, gleicher Verantwortung und gleicher Qualifikation wird das weibliche Geschlecht auf der Lohnabrechnung benachteiligt. Auch die Berufswahl spricht eine deutliche Sprache. Vor allem in weniger gut bezahlten Pflegeberufen dominiert der Beschäftigtenanteil von Mitarbeiterinnen.
Derweil kämpfen besonders engagierte Feministinnen darum, dass die Deutsche Nationalhymne umgeschrieben wird und Frauen auf Überweisungen ausdrücklich als „Kontoinhaberinnen“ bezeichnet werden. Bemerkenswert, welche Auswüchse der Einsatz für Frauenrechte so annehmen kann. Dabei würde es vielen Frauen schon helfen, ihnen nicht nur einmal im Jahr, eben nicht nur am
8. März „Danke“ zu sagen.