Burg (mey). Tausende Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland werden zur Landesgartenschau Burg 2018 erwartet. Die Besucherströme sollen hier auch durch die Schartauer Straße geleitet werden – mittels Shuttle. Doch die Händlerinnen und Händler des Wochenmarktes sind besorgt. Muss der Wochenmarkt verlegt werden, wenn die Bahn durch die Einkaufsstraße fährt?

Die Angestellten des Unternehmens Gartenbau Pichler tappen im Ungewissen. Wird der Wochenmarkt während der Landesgartenschau 2018 noch in der Schartauer Straße stattfinden können? Seit über 20 Jahren bietet das Unternehmen in Burg seine Waren an. Große Erleichterung gab es vor einigen Jahren, als der Wochenmarkt von dem Rolandplatz aus in die Schartauer Straße umzog. Hier können die Besucherinnen und Besucher in aller Ruhe ihren Einkäufen nachgehen, sich ungestört umsehen und müssen weder auf Verkehr achten, noch von weit entfernten Parkplätzen aus herlaufen. Auch die Händlerinnen und Händler  der Innenstadt profitieren von der durch den Wochenmarkt angelockten Kundschaft. Alle scheinen sich einig zu sein: Der Wochenmarkt gehört in die Innenstadt.

Das Problem
Doch im kommenden Jahr soll ein Shuttel die Gäste der Landesgartenschau vom Goethepark in den Flickschupark und zurück befördern – durch die Schartauer Straße. Polizei und Feuerwehr warfen Sicherheitsbedenken ein. Es müsse gewährleistet sein, dass zu jeder Zeit Einsatzfahrzeuge die Schartauer Straße passieren können. Zu den Öffnungszeiten des Wochenmarktes wäre dies normalerweise kein Problem. Allerdings würden sich Rettungswagen und Co. mit der regelmäßig fahrenden Bahn in die Quere kommen. Wenn dann auch noch rechts und links der Straße die Stände der Wochenmarkthändler platziert wären, wäre ein Durchkommen für die Einsatzkräfte nicht mehr möglich.
Aus diesem Grund wurde der Vorschlag entwickelt, den Wochenmarkt auf den Gummersbacher Platz zu verlegen. Die Verkäuferinnen und Verkäufer weissagen nicht unerhebliche finanzielle Einbußen, sehen sich dadurch teils in ihren Existenzen bedroht. Desweiteren sind sie sich sicher, wer einmal wegen zu starker Einbußen seinen Platz auf dem Wochenmarkt aufgibt, kommt auch im folgenden Jahr nicht zurück.

Wirtschaftliches Risiko
Auch der Obst- und Gemüsehandel Burow hat seinen angestammten Platz auf den Wochenmarkt. Und jetzt sollen alle Händlerinnen und Händler für die LaGa 2018 weichen? Marktmeister Hans Vallendar spricht sich für seine Standbetreiber aus. Auch er befürchtet große Einbußen für die Zeit von April bis Oktober 2018, die Hauptsaison des Wochenmarktes. Den Markt auf den Magdalenenplatz zu verlegen, habe damals einen harten Kampf erfordert. Es sei schwer zu akzeptieren, würde er jetzt auf einen für die Stände zu kleinen Platz verlegt werden. Einige Verkäuferinnen und Verkäufer würden auf Rasenflächen am Gummersbacher Platz ausweichen müssen – nicht nur bei Regen ein unwegsames Gelände. „Und Parkplätze sind dort natürlich auch rar“, gibt der Marktmeister weiterhin zu bedenken. Die Sicherheitsbedenken des Landratsamtes derart drastisch zu betrachten und als unantastbares Kriterium geltend zu machen, sieht er als eine übertriebene Handlung an. „Zum Weihnachtsmarkt findet sich doch auch immer eine Lösung. Und auch zum Rolandfest ist die Schartauer Straße voll. Da kommt man auch nicht problemlos durch.“ Desweiteren würde das Shuttle auch nicht permanent fahren. Man solle die Argumente noch einmal überdenken und nüchtern das Risiko einschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass sich im Ernstfalle Einsatzkräfte und LaGa-Bahn begegnen würden.

Hoffnung auf Unterstützung
Verkäuferinnen und Verkäufer  von Käse, Wurst, Brot und anderem, die auf dem Magdalenenplatz ihre Ware anbieten, hoffen auf die Unterstützung des Stadtrats. Sie hätten sich ihre Stammkundschaft über Jahre hart erarbeitet  und hoffen, das Experiment „LaGa Burg 2018“ werde nicht auf Kosten der Händler und Händlerinnen durchgeführt werden. Bisher würden sie sich bereits an strenge Sicherheitsvorgaben halten. Bestimmt könne man sich auch im nächsten Jahr arrangieren. Sowohl die Innenstadthändler als auch die Standbetreiber des Wochenmarktes würden schließlich voneinander profitieren. Der Wochenmarkt gehöre einfach in die Innenstadt.

Hilfe vom Stadtrat

Udo Vogt, Betreiber des Vogt Blumenhauses in der Schartauer Straße, hat sich im Stadtrat bereits für den Wochenmarkt stark gemacht. Er sagt, die LaGa bedeute nicht automatisch, dass der Markt weichen muss. Dienstag und Freitag, die Tage, an denen der Markt stattfindet, seien nicht unbedingt die Tage, an denen mit riesigen Besucherströmen der LaGa gerechnet werden müsse (erst recht nicht vormittags). Das Risiko müsse demnach eine neue Relation finden. „Vielleicht“, so überlegt der Händler „ist es möglich, den Gummersbacher Platz nur als Notlösung im Hinterkopf zu behalten“. Sollte es tätsächlich zu Platzproblemen kommen, könne man den Markt ja immernoch umplanen. Er sieht das Problem in der Vorgehensweise des Planens. „Es wird nach Paragraphen und Vorschriften gehandelt. Ein flexibles und angepasstes Vorgehen gibt es nicht.“