Jerichower Land (mey). Urlaub auf Balkonien macht bei diesem Wetter richtig Spaß. Wer will schon verreisen, wenn im Jerichower Land schier jeden Tag die Sonne scheint? Doch für diejenigen, die auf frisches Nass von oben angewiesen sind, wird die Lage langsam kritisch.

Kaum zehn Millimeter Regen in einem ganzen Monat? Im August gab es solche Werte gewiss schon häufiger, doch für den Wonnemonat Mai wurden 2018 Daten im gesamten Landkreis erfasst, die nur als außergewöhnlich zu bezeichnen sind. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben Durst. Doch während Gartenfreunde mit Gießkannen und Wasserschläuchen in den Kampf gegen die Dürre ziehen, zählen die Landwirte des Kreises die halbleeren Ähren auf ihren Feldern. Eine frühe Ernte hielt 2018 bereit. Schon seit Wochen rattern die Mähdrescher über die Äcker – langsam und besonders vorsichtig, damit die Ernteverluste möglichst noch geringer ausfallen, als in den Jahren zuvor, denn wenn die Erträge so niedrig sind, zählt wahrlich jedes Korn. Der Boardcomputer der Drescher zählt mit und bestätigt das schlechte Bauchgefühl des Landwirts: Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent sind in diesem Jahr der Standard auf vielen Feldern. Besonders auf sandigen Standorten, die noch schneller austrocknen als Lehmböden, kann kaum genug erwirtschaftet werden, um die Kosten für Anbau und Ernte zu decken. Katastrophal für einen Wirtschaftszweig, in dem pro Jahr nur zur Erntezeit Gewinn eingefahren werden kann.
Auch Agrarhändler Gunnar Hildebrand aus Büden ist besorgt, von der Ernte muss schließlich auch der Getreidehandel leben. „Was der Landwirt nicht erntet, kommt auch beim Handel nicht an“, urteilte er besorgt angesichts der geringen Ernteerträge, die die Landwirte zu ihm bringen. Halbleere Hallen, in denen seine Mitarbeiter warten, um das geerntete Getreide anzunehmen - Gunnar Hildebrands Unterhaltungs- und Lohnkosten bleiben die gleichen. Bei den fehlenden Einnahmen durch den Getreidehandel bleibt es auch nicht. „Wenn die Landwirte mit der Ernte nichts einnehmen, können sie später auch nicht viel in Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel investieren“, kalkuliert der Händler weiter. So wird sich die Dürre auch noch in den kommenden Monaten bemerkbar machen.
Kritisch wird es auch für Tierhalter. Während Kühe, Schafe, Pferde und andere Weidetiere vergebens nach frischem Grün auf den Wiesen suchen, konnte vielerorts bisher erst ein mal Futter für den Winter gemäht werden. Selbst die hartnäckigsten Gräser ergeben sich der Trockenheit und die ersten Tierhalter brechen ihren Wintervorrat an. Landwirt Detlef Meyer aus Krüssau holte in der vergangenen Woche seine Tiere von der Koppel, um die Mutterkühe und ihre Kälber den Sommer über im Stall mit dem eingelagerten Heu durchzufüttern. Wer selbst Tiere hält, bemerkt ebenfalls, wie die Dürre den eigenen Geldbeutel austrocknet. Pferdehalter werden aufmerksam. Viele Landwirte fallen als zuverlässige Futterlieferanten in diesem Jahr weg oder sehen sich gezwungen, die Preise für Heu und Hafer anzuziehen. Auf den Tiermärkten sind die Ausmaße ebenso zu spüren. Gute Papiere bringen keine Höchstpreise, wenn Kaufinteressenten nicht wissen, wie sie Schimmel und Co durch den nächsten Winter bringen sollen.