Hier schreibt abel
„Better late than never“ steht in den Vereinigten Staaten auf Schildern an so manch endlosen Highways. Die vier Wörter sollen den Verkehrsteilnehmern vor Augen führen, dass die unbedingte Einhaltung von Terminen mittels Bleifuß völlig ungewollte Folgen haben kann. Es steckt viel Wahrheit in der Aussage aber auch viel Interpretationsspielraum. Mir fiel der Satz wieder ein, als ich jüngst Teile der Rede Angela Merkels bezüglich ihrer eigenen politischen Zukunft hörte. Die Rede war in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert. Die Kanzlerin suchte keine Schuldigen für die letzten Wahlschlappen und für den Zustand der Koalition. Sie räumt dagegen eigene Fehler ein, sagt offen, dass sie einige Dinge falsch eingeschätzt    hat. Sie verkündet ihre eigene Abkehr vom Prinzip der Personalunion von Kanzlerin und Parteivorsitz. Doch damit nicht genug, Angie stellt klar, dass sie keine weitere Amtszeit als Regierungschefin der Bundesrepublik Deutschland mehr anstreben wird. An diesem Punkt überflügelt sie ihren Ziehvater Helmut Kohl, dem der eigene Abschied nicht im Traum einfiel. Und doch ist es einer der letztmöglichen Zeitpunkte, die den Eindruck eines selbstgewählten Rücktritts noch zulassen. So wird der dringend benötigte Anstoß für einen tiefgreifenden Reformprozess gegeben. Meiner Meinung nach mehr als fünf Jahre zu spät. Aber wie die Schilder an den Highways eben sagen: Besser spät als nie.